Championsleague Vorrunde (Real Madrid - BVB) 06.11.12
Sofort nach der Auslosung der Champions-League Gruppenphase, die der Borussia die „Todesgruppe“ mit ManCity, Ajax und Real Madrid beschert hatte,
stand für mich fest: Ich will nach Madrid ins Santiago Bernabeu! Schon als kleiner Junge wollte ich einmal einen großen Verein in einem großen Stadion
erleben. Damals zu Beginn meiner Fankarriere fasste das Westfalenstadion nur 54.000 Plätze und der BVB war zumindest sportlich alles andere als ein großer
Verein. Das non plus ultra im wahrsten Sinne des Wortes waren zur damaligen Zeit die italienischen Tifosi. Mailand oder Turin, das wäre ein Traum. Seitdem
sind mehr als 20 Jahre vergangen. Der BVB ist längst ein großer Verein, hat mittlerweile das größte Stadion in Deutschland und ist auf dem besten Weg auch
international wieder an glorreiche Zeiten anzuknüpfen. International haben die Engländer und vor allem auch Spanien mit den großen Zwei Real und Barca den
Italienern den Rang abgelaufen. Jetzt bot sich also die Gelegenheit, nicht nur irgendeinen großen Verein in einem großen ausländischen Stadion zu erleben.
Nein ich hatte die Chance meinen BVB in der Blüte seiner Zeit gegen die Königlichen von Real in einem der berühmtesten Stadien des europäischen Fußballs zu
bewundern.
Wie immer wenn es mit der Borussia in den letzten Jahren auf Reise ging, galt es zunächst die Kartenhürde zu nehmen. Obwohl Madrid nicht gerade um die
Ecke liegt, war die Anfrage enorm. Es stellte sich daher die Frage, ob man sich nicht im Vorfeld über den Vorverkauf von Madrid eindecken sollte. Ich
entschied mich zunächst abzuwarten und mein Glück über den Mitgliedervorverkauf des BVB zu versuchen. Last but not least mussten auch noch Flug und Hotel
gebucht werden. Recht früh war abzusehen, dass es von Tag zu Tag teurer werden würde. Da vor allem die Flüge direkt vor dem Spieltag schon sehr teuer waren,
entschied ich mich, schon samstags anzureisen, meine Frau mitzunehmen und das Ganze zu einem Städte-Trip auszuweiten. So wäre es dann auch nicht so schlimm,
wenn es mit Eintrittskarten nicht klappen würde. Denn wie so oft startete der Vorverkauf in Dortmund recht spät und ich musste die Reise schon vorher buchen.
Leider klappte es dann auch mit dem Mitgliedervorverkauf nicht. So musste ich mich also über den Verkauf von Real eindecken und erhielt nur noch Karten für
95 Euro und auch ein ganzes Stück vom Gästeblock entfernt. Dafür direkt hinter dem Tor, gibt schlimmeres.
Am Samstag um kurz nach 12:00 Uhr hob unser Flieger von Frankfurt ab und knapp 3 Stunden später landeten wir in Madrid. Während der verregnete Sonntag
zu Museumsbesuchen genutzt wurde, stand der Montag im Zeichen von Shopping und Sightseeing. Außerdem machten wir einen ersten Abstecher zum Estadio Santiago
Bernabeu und holten am Ticketautomat unsere Eintrittskarten ab. Immer wieder begegneten uns in der Stadt schwarz-gelb gekleidete Borussen. So richtig voll
wurde es aber natürlich erst am Spieltag selbst. Vor allem der Platz Puerto del Sol war fest in Dortmunder Hand. Größere Ultragruppierungen waren allerdings
nicht auszumachen und auch ein „offizieller“ Marsch zum Stadion fand nicht statt. Dies war im Vorfeld schon so kommuniziert worden. Aufgrund der unschönen
Vorfälle zwei Jahr zuvor in Sevilla wurde darauf verzichtet. Damals zeigte sich die spanische Polizei von ihrer „besten“ Seite, schwang recht schnell die
Knüppel und verhaftete einige Borussen, die wohl nur zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Das Sahnehäubchen war dann aber, dass diese massiv unter Druck
gesetzt wurden, Schuldanerkenntnisse zu unterschreiben und bis zu 1.000 Euro Geldstrafe zu zahlen um am nächsten Tag entlassen zu werden. Andernfalls würde
man inhaftiert bleiben bis man dem Haftrichter vorgeführt würde, irgendwann mal die nächsten Tage. Und die Konsequenzen würden dann weitaus schlimmer sein.
Rechtsstaat ole.
Die Kulisse eines der berühmtesten Stadien der Welt. Vor dem Estadio Santiago Bernabeu.
Ca. 2 Stunden vor Spielbeginn machten wir uns dann langsam auf Richtung Stadion. Die U-Bahn war zu diesem Zeitpunkt schon gut mit Borussen gefüllt und
eine erste Hüpfeinlage produzierte verdutzte spanische Gesichter. Das sollte den ganzen Abend so weitergehen. Die Spanier sind in ihrer eigenen Liga schon
nicht gewohnt, dass eine große Anzahl Gästeanhänger unterwegs ist. Dass sich tausende verrückte Borussen und davon der Großteil mit Schal und Trikot quer
durch Europa auf den Weg machen, nur um ihren Verein zu supporten ist dann natürlich völlig unverständlich. Am Stadion angekommen, war dann schnell klar,
dass man hier nicht in irgendeiner 0-8-15 Fußballstätte zu Gast war, überall wurden Erinnerungsfotos geschossen.
Wir suchten unseren Eingang und ich war gespannt, wie intensiv wohl die Kontrollen durchgeführt würden. Da wir ja den ganzen Tag in der Stadt unterwegs
waren, hatte ich einen Rucksack mit allerlei Krempel dabei. Aber ich wurde positiv überrascht. Ich musste ihn zwar kurz öffnen, aber einen kurzen Blick später,
war ich schon im Stadion. Wie ich später erfuhr, nahm man es beim Gästeeingang weitaus genauer. Als wir dann unseren Block betraten, war ich zum zweiten Mal
an diesem Abend angespannt. Wir hatten Sitzplätze direkt hinter dem Tor und waren so doch ein Stück weit vom Gästeblock in der Kurve entfernt. Würden wir hier
die einzigen Borussen weit und breit sein? Meine Sorge erwies sich sofort als unbegründet. In unserem Block waren bereits vereinzelt Borussen zu erkennen. Vor
allem aber schräg über uns, waren schon etliche Dortmunder versammelt und machten bereits ordentlich Stimmung.
Bis auf den Gästeblock der sich auch allmählich füllte, war das Stadion fast leer. Die sollte sich auch bis kurz vor Spielbeginn nicht ändern. Ich konnte
lange Zeit nicht ausmachen, wo denn der Heimblock der Spanier untergebracht war. Dies lag aber nicht nur daran, dass auch die aktiven Fans der Galaktischen
eher spät das Stadion betraten. Es lag vor allem auch daran, dass es nur wenige Tausend Fans waren. In so einem großen Stadion war das schon ein sehr
kümmerlicher Anblick. Kümmerlich war auch die Getränkeausgabe. Zapfanlagen kennt man in Spanien wohl nicht. Stattdessen wurden Bierdosen und Colaflaschen aus
Plastik geöffnet und in Plastikbecher umgefüllt! Das dauert nicht nur gefühlt dreimal so lange, sondern dürfte auch ne vernichtende Ökobilanz aufweisen.
Aber genug gemeckert. Das Santiago Bernabeu hat auch Vorteile zu bieten. So sind unter dem Hallendach Heizstrahler angebracht die eine wohlige Wärme
verbreiteten. Was so etwas ein einem Stadion verloren hat, weiß ich zwar auch nicht, meine Frau freute sich aber darüber. So kurz vor Spielbeginn konnte man
nun auch das wahre Ausmaß der Dortmunder Invasion erkennen. Geschätzte 8.000 Borussen hatten sich aus dem Ruhrpott auf den Weg in die spanische Metropole
begeben. Selbst auf der Haupt- und Gegentribüne waren vereinzelt Schwarzgelbe zu erkennen. So schön solch eine Invasion auch ist. Sie schafft natürlich auch
Probleme. Der Block über uns war wohl auch mit etlichen Borussen gefüllt, die sich nicht wirklich an ihre zugeteilten Sitzplätze hielten und das Spiel auch
größtenteils im Stehen verfolgten. Dies kam bei den Spaniern erwartungsgemäß nicht so gut an was zu einiger Hektik in den ersten 40 Minuten führte. Und ich
kann sie sogar verstehen. Man sollte in der heutigen Zeit (Grüße nach Manchester) schon froh sein, dass man sich überhaupt in einem fremden Stadion
hemmungslos in allen Blöcken mit Karten eindecken darf. Ich kann das Verhalten der Borussen in diesem Block zwar sehr gut nachvollziehen. Und trotzdem, nur
weil man die Mehrheit in einem Block stellt, gibt einem das noch lange nicht das Recht die Regeln aufzustellen. Kurz vor der Halbzeit kamen die Ordner dann
endlich auf die Idee die beiden Fanlager zu trennen und entsprechend umzusetzen. Danach war Ruhe.
Nur noch wenige Sekunden bis zum Anpfiff. Tolle Sicht von unseren Plätzen direkt hinter dem Tor auf das Spielfeld.
Je näher es dem Anpfiff entgegen ging, umso nervöser wurde ich. Dann ging es endlich los und fast auch direkt in die Hose. Schon nach 2 Minuten musste
Weidenfeller sein ganzes Können aufbieten, um gegen Higuain zu klären. Doch es sollte für einige Zeit die letzte Offensivaktion der Gastgeber sein. Fortan
bestimmte die Borussia das Geschehen. Wieder einmal schaffte man es durch geschicktes Verschieben und viel Laufarbeit den Gegner schon beim Spielaufbau vor
schier unlösbare Aufgaben zu stellen. Und hin und wieder kombinierte man sich auch recht ansehnlich bis zum Strafraum der Madrilenen durch. So ergaben sich
durch Schmelzer, Lewandowski und Großkreutz erste Chancen. Eine Schrecksekunde gab es dann noch einmal Mitte der ersten Hälfte, als Christiano Ronaldo völlig
freistehend zum Kopfball kam, den Ball aber nicht richtig traf. Ronaldo wurde übrigens hin und wieder mit Messi-Sprechchören der Borussen-Fans bedacht. Dann
folgte der Auftritt von Marco Reus. Eine schnelle Polen-Kombi über Piszczek und Lewandowski schloss er mit einem strammen Schuss ins kurze Eck zur 1:0 Führung
ab. Der Gästeblock und auch alles darum herum tobte nun. Natürlich hielt es auch uns nicht auf unseren Sitzen.
Leider hielt die Führung nur gut 5 Minuten. Der bis dahin blasse Özil flankte in der Mitte, wo Pepe der Innenverteidigung entwischt war und freistehend
einnickte. Was für eine Scheiße! Ein Tor quasi aus dem Nichts. Aber das zeichnet eben eine Spitzenmannschaft auf, sie braucht kaum Chancen und bestraft Fehler
postwendend. Es gibt aber noch etwas anderes was eine Spitzenmannschaft auszeichnet. Unbändiger Siegeswillen und sich nicht von kurzfristigen Rückschlägen
beeindrucken lassen. Und genau diese beiden Tugenden bewiesen die Schwarzgelben nun nicht nur auf den Tribünen sondern auch auf dem Rasen. Zwar wirkte Madrid
durch den Ausgleich merklich beflügelt, Dortmund hielt aber stets dagegen und so entwickelte sich ein schnelles Spiel mit Strafraumszenen auf beiden Seiten.
Als sich schon alles mit einem Unentschieden zum Pausentee abgefunden hatte, schickte sich Mario Götze an, für den nächsten schwarzgelben Jubelsturm im
Bernabeu zu sorgen. Lewandowski setzte sich nach einem Abschlag Weidenfellers mal wieder in der Luft durch und leitete auf Großkreutz weiter. Dessen Querpass
nahm Götze auf und schloss in Gemeinschaftsarbeit mit Arbeloa zum verdienten 2:1 ab. Erneut kannte der Jubel keine Grenzen.
Dann war Halbzeit. Erstmal runterkommen war angesagt. Sollte es diese Truppe tatsächlich schaffen auch hier zu bestehen und das Weiterkommen in der
Todesgruppe bereits am 4. Spieltag perfekt machen? Ich durfte gar nicht dran denken. Aber noch fehlten 45 Minuten und es sollten die vielleicht längsten 45
Minuten meines Fan-Daseins werden. Die Madrilenen wechselten zweimal und kamen wie verwandelt aus der Kabine. Schon nach 2 Minuten zappelte der Ball im
Dortmunder Netz. Doch der Schiedsrichter entschied auf Abseits, Fehlentscheidung, Glück gehabt, weiter kämpfen. Wieder nur ein paar Minuten später war es
erneut der eingewechselte Jose Callejon der knapp verzog. Dortmund überstand diese erste Drangphase mit etwas Glück schadlos und begann mit Reus wieder erste
Nadelstiche zu setzen. Trotzdem blieben die Madrilenen stets gefährlich, auch wenn die Dortmunder Defensive sich wieder gefangen hatte und keine Großchancen
mehr zu ließ.
Dann begannen die letzten 10 Minuten. Der Druck der Spanier steigerte sich nun von Minute zu Minute und mit ihm auch meine Anspannung. Immer wieder der
bange Blick auf die Uhr. Zunächst scheiterte der bis dahin blasse Ronaldo an Weidenfeller. Kurz darauf war dieser schon geschlagen, doch Großkreutz rettet
auf der Linie. „Das geht nicht mehr lange gut“, dachte ich nur. Die Borussia fing nun an, in der Abwehr zu schwimmen und kam ein ums andere Mal zu spät. So
gab es denn auch kurz vor Schluss einen Freistoß in Strafraumnähe. Ronaldo schnappte sich den Ball und mein Puls stieg. „Nicht der, und schon gar nicht jetzt,
bitte nicht!“ schoss es mir durch den Kopf. Doch Ronaldo bestätigte seine bisherige Leistung und knallte trotz großer Show den Ball in die Mauer. Kurze Zeit
später machte es Özil besser. Wieder gab es (allerdings einen recht fragwürdigen) Freistoß und diesmal zappelte der Ball urplötzlich im Netz. Zum ersten Mal
rasteten die Spanier jetzt aus. Diese bislang eher unbekannte Borussia war ihnen 89 Minuten lang gehörig auf den Sack gegangen, jetzt waren die Verhältnisse
wenigstens wieder ein bisschen korrigiert. Und Madrid schöpfte plötzlich neue Hoffnung. „Wenn wir uns jetzt noch das 3:2 fangen war hier alles umsonst“ dachte
ich mir und mal wieder würde ich an der Existenz des Fußballgottes zweifeln. Die Mannschaft und die Fans mussten sich für die Leistung an diesem Abend
wenigstens mit einem Punkt belohnen. Noch einmal musste ich ein paar bange Minuten überstehen, wobei auch der BVB fast noch das Siegtor erzielt hätte. Dann
folgte der Schlusspfiff.
Der Gästeblock in der Kurve des Santiago Bernabeu. Trotz des Gegentreffers in letzter Minute noch gut gefüllt und gut gelaunt.
Ich war erleichtert und stolz, gleichzeitig aber auch ein wenig traurig. Es war das gleiche Gefühl wie vor 2 Jahren in Paris. Auch damals feierten 10.000
Borussen auf den Rängen eine rauschende Party und wurden am Ende nicht belohnt. Es war das Wissen um das, was hier jetzt abgegangen wäre, hätte das Spiel nur
5 Minuten eher geendet. So kam die Mannschaft nur kurz zum Block und bedankte sich artig. Man hatte fast das Gefühl, sie wussten selber nicht so genau, wie
sie mit diesem gewonnen Punkt nun umgehen sollen. Dann, als die Mannschaft schon fast in den Katakomben verschwand, drehte sich einer noch mal um, ging ein
paar Schritte auf die Fans zu, applaudierte und schlug sich mit der Hand aufs Herz. Es war Kevin Großkreutz. Und auch aus 50 Meter Entfernung war es nicht zu
übersehen. Auch für ihn war heute ein Traum in Erfüllung gegangen. Und genau so wenig, wie ich dieses Bild von einem stolzen Borussen einsam auf dem Rasen
stehend und der Menge applaudierend vergessen werden. Genau so wenig wird er diesen Moment vergessen, als er im Estadio Santiago Bernabeu von einem Meer aus
Schwarz und Gelb mit dem Lied Dortmunder Jungs gefeiert wurde. Wir blieben natürlich noch eine Weile im Stadion und machten uns danach auf zur nächsten
U-Bahnstation. Es lief alles sehr gesittet ab und so endete ein langer und ereignisreicher Tag kurz vor 24:00 Uhr in unserem Hotel. Früh am nächsten Morgen
ging es mit dem Flieger zurück nach Frankfurt.
Der Trip war natürlich eine tolle Erfahrung auch wenn das letzte Quäntchen Glück wieder gefehlt hat um einen ganz großen Triumph zu feiern. Trotzdem macht
es einfach Laune diesen Verein auswärts zu begleiten. Mittlerweile hat die Borussia die Gruppe als Erster abgeschlossen und gespannt wartet man nun auf die
Auslosung. Außer dem einen oder anderen Verein mit klangvollem Namen befindet sich im Lostopf auch noch der Celtic Football Club, hierzulande besser bekannt
unter Celtic Glasgow. Und das dürfte wohl für die meisten Borussen das absolute Traumlos sein. Nicht nur dass in Schottland der Fußball vielleicht noch so
ursprünglich ist, wie sonst kaum irgendwo und die schottischen Fans als mindestens genau so sangesfreudig gelten wie wir. Mit Celtic verbindet uns auch eine
innige Fanfreundschaft. Und so würden sich wohl wieder Tausende Borussen auf den Weg machen. Ob mit oder ohne Karte, wäre den meisten dann wahrscheinlich
egal. Mich würde es nicht wundern, wenn am Ende in Glasgow mehr Borussen in den Pubs sind, als im Stadion! In diesem Sinn, hoffen wir das Beste!
DFB-Pokal Finale Berlin (BVB - Bayern München) 12.05.12
Berlin, 19.04.08, nachmittags. Am Tag des DFB-Pokal-Finales schlendere ich zusammen mit Ötzi und anderen Mitgliedern der Wagbach-Borussen, die ich erst
tags zuvor kennen gelernt hatte durch die Berliner Innenstadt und ein Meer von schwarz-gelben Fans. Das Gerücht verbreitet sich, Jürgen Klopp würde neuer Trainer bei
Borussia Dortmund. Der BVB ist damals gegen die Bayern krasser Außenseiter, wehrt sich nach Kräften und verliert in der Verlängerung. Gut vier Jahre später bin ich
selbst Mitglied bei den Wagbach Borussen, und Jürgen Klopp ist tatsächlich Trainer in Dortmund geworden. Der BVB stieg unter ihm wie Phönix aus der Asche empor und
holte in diesem Jahr mit einer jungen, spiel- und laufstarken Mannschaft den zweiten Meistertitel in Folge. Und nun am 12.05.12 sah man sich im Finale des Pokals
erneut den Bayern gegenüber. Der Kreis schließt sich. Wir sind zurück, I’ll be back würde der Terminator sagen. DFB-Pokal-Finale 2 – Tag der Abrechnung!
Morgens um kurz vor 6 klingelte mein Wecker und um kurz vor 7 Uhr stand ich schon am Bahnhof Karlsruhe. Ich hatte wieder einen recht detailgetreuen Pokal
gebastelt. Noch ein wenig besser als 2008, schließlich musste auch der BVB im Vergleich zu damals ne Schippe drauf legen. Eine halbe Stunde später traf ich in Mannheim
die anderen Wagbach-Borussen und zu viert machten wir uns auf den Weg nach Berlin. Unterwegs sammelten wir noch Klaus auf und waren somit erstmal vollzählig. Obwohl im
Vorfeld alles unternommen wurde um an Karten zu kommen, hatten wir nur 2 Eintrittskarten fürs Finale im Berliner Olympiastadion ergattert. Eine wurde einstimmig Ötzi
vermacht, die andere verlost. Leider hatte ich kein Glück und so war klar, ich würde die Borussia heute nur auf der Leinwand in der Waldbühne in Berlin zu sehen bekommen.
Dies sollte der Stimmung aber keinen Abbruch tun. Mit Karten spielen und Bierchen trinken wurde die Zeit überbrückt. Um kurz vor 13:00 Uhr erreichten wir schließlich
Berlin. Wir machten uns sofort auf Richtung 80°Hostel in der Nähe des Alex, wo wir für 104 Euro ein 4-Bett-Zimmer reserviert hatten. Danach ging es sofort wieder zur
U-Bahn und ab zur Gedächtniskirche, dem traditionellen Treffpunkt der Borussenfans. Kaum aus der Bahn raus, gab es leider schon die erste Schlägerei zu sehen. Natürlich
kann ein Eindruck immer nur subjektiv sein. Aber mir kam die Stimmung den ganzen Tag über gereizter vor, als noch vor vier Jahren. Damals waren wir auch nur in diesem
einen Spiel Konkurrenten, ansonsten nahmen uns die Bayern sicher nicht ernst. Das hat sich inzwischen grundlegend geändert. Durch die beiden Meisterschaften und die
vier in Folge verlorenen Spiele gegen uns, gehen wir den Bayern inzwischen sicher gehörig auf den Sack. Und die arroganten Sprüche und Ausflüchte der Bayern-Spieler
um Lahm und Kroos nach jeder dieser Niederlagen sowie der Rundumschlag von Uli Hoeness in Sky90 haben die Bayern bei den Borussen auch nicht gerade beliebter
gemacht. An der Gedächtniskirche angekommen, nisteten wir uns wieder wie vor vier Jahren in der Pizzeria La Fontana ein und trafen uns mit weiteren Mitgliedern
des Fanclubs die aus Dortmund angereist waren. Wir stärkten uns ordentlich und stimmten uns mit den zahlreichen Borussen auf das bevorstehende Finale ein. Danach ging es Richtung Stadion.
Die Pizzeria La Fontana an der Gedächtniskirche, wie auch schon vor vier Jahren fest in schwarz-gelber Hand.
Kurz davor folgte leider der nächste negative Höhepunkt. Eine größere Ultragruppierung der Bayern kam uns entgegen. Wir waren zu dieser Zeit zwar zu sechst
unterwegs, aber über mehrere Meter verstreut in Zweiergruppen. Und so kam es wie es kommen musste. Bevor wir uns versahen, wurde einem unserer Jungs der Seidenschal
„gezogen“. Wie ich dieses Wort hasse. Raub trifft die Sache besser. Der Typ war sicher noch keine 18 und hätte, wäre er alleine gewesen, sich wahrscheinlich
nicht mal getraut uns nach dem Weg zu fragen. Aber in einer 30-Mann starken Gruppe kann man natürlich den dicken Max machen. Natürlich war die Sache ärgerlich
und die Stimmung erst mal im Keller. Aber verhindern hätten wir es in diesem Moment auch nicht mehr können. Selbst wenn wir nicht verstreut gewesen wären, die
Frage wäre nur gewesen, Schal weg oder Schal weg und was auf die Mütze kriegen.
Kurze Zeit später wollte eine Gruppe Bayern-Fans eine Dortmund-Fahne verbrennen. Und wie es der Zufall so will, bemerkte es derjenige von uns zuerst, der
kurz zuvor seinen Schal verloren hatte. Das war dann zuviel für ihn. Ich sah noch wie er plötzlich mit Hass im Gesicht in eine Richtung starrte, erblickte dann
die Bayern-Fans und dacht noch: „Oh, das gibt Ärger“, da rannte er auch schon los und riss ihnen die Fahne aus der Hand. Wir gingen dazwischen und es kam natürlich
sofort zu Rangeleien. Bevor die Sache eskalierte, konnten wir die Situation aber beruhigen. Hinterher dachte ich mir dann aber auch. Eigentlich hätte man denen
direkt eine einschenken sollen. Ich bin nun wirklich ein friedfertiger Mensch. Aber die Fahne hatten sie ja sicher nicht im Fanshop käuflich erworben, sondern
davor einem Borussen abgenommen und evtl. hatte dieser auch Schläge kassiert. Wenn es eine Entwicklung im „modernen“ Fußball gibt auf die ich verzichten könnte,
dann ist es diese dämliche Zockerei von Fanartikeln einschl. dem ganzen „wir sind die Härtesten“-Ultra-Gehabe. Wie oft hat man schon gehört: „Der Gegner hat
sich nicht gestellt“. Tatsache ist, dass die meisten Ultras gar kein Interesse haben auf einen gleichstarken Mob zu treffen, sonst wäre sie keine Ultras sondern
würden der Kategorie C angehören und sich auf dem Acker treffen. So, ich schweife vom Thema ab, aber das musste mal gesagt werden.
Wehmütige Gefühle auf dem Weg zum Olympiastadion, welches ich dieses Jahr nur von außen betrachten durfte.
Der Rest des Tages verlief jedenfalls ohne Zwischenfälle. Am Stadion angekommen, versuchten wir wachsamen Auges noch an Karten zu kommen, was natürlich bei
der Vielzahl von Borussen die ohne Karte nach Berlin gereist waren, nicht gelang. Irgendwann war der Zeitpunkt dann gekommen und wir trennten uns. Während unsere
zwei Glücklichen sich ins Stadion verabschiedeten, machten wir uns auf Richtung Waldbühne. Diese Freilichtbühne befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Olympiastadion
und bietet über 20.000 Zuschauern Platz. Da es die Stadt Berlin nicht für nötig empfunden hatte, selbst ein Public Viewing zu organisieren, hatte sich Evonic
der Hauptsponsor der Borussia kurzerhand entschlossen, die Waldbühne zu mieten. Dort angekommen durften wir erstmal eine halbe Stunde anstehen, die Kontrollen
waren sicher nicht geringer als im Stadion selbst. Der erste Blick auf die Anlage sorgte dann aber für Entschädigung. Die im Halbkreis angelegte, steil abfallende
und bereits mit etlichen Borussen gefüllte Tribüne ließ echtes Stadion-Feeling aufkommen. Die riesige Leinwand erstickte jeglichen Zweifel bzgl. des Sehvergnügens
im Keim. Die Zeit bis zum Anpfiff wurde dann auch, wie im Stadion üblich mit dem einen oder anderen Fangesang überbrückt. Einziger Nachteil war, dass es hier
zog wie Hechtsuppe. Leider hatte ich, wie andere aber auch (Grüße an Klaus!) für Temperaturen deutlich unter 10° nicht wirklich die richtige Kleiderwahl getroffen.
Beim Blick in das Halbrund wurde einem aber dann schnell warm, zumindest ums Herz herum. Es war schon irgendwie lustig zu sehen, dass knapp 20.000 Borussen
quer durch die Republik gefahren waren, nur um hier fernzusehen. Dortmund-Fans sind eben doch irgendwie bekloppt, dachte ich mir nur, wohl wissend, dass ich selbst
einer dieser „quer-durch-die-Republik-Fahrer“ war.
Das Pulbic-Viewing in der Waldbühne Berlin. Stadionatmosphäre mit 20.000 Borussen im weiten Rund.
Dann endlich der Anpfiff. Die ersten Minuten wirkten die Bayern hellwach. Aggressiv wurde die Dortmunder auf dem Platz attackiert, während die Borussen selbst
Mühe hatten, Zugriff auf Ihre Gegenspieler zu bekommen. Von einer Schonung für das bevorstehende Championsleague-Finale war nichts zu sehen. Doch dann kam der
große Auftritt von Gustavo. Zwei Fehlpässe in Folge, führten dazu, dass Kuba sich den Ball am rechten Strafraumeck schnappte, noch kurz den Turbo einschaltete
und auf den heranstürmenden Kagawa zurücklegte. Der schloss trockenknochen zum 1:0 ab. Riesenjubel und erste Bierduschen waren die Folge. Obwohl das alles auf
mich irgendwie unwirklich wirkte. Tagelang hatte man sich auf einen heißen Tanz eingestellt, ein Spiel auf des Messers Schneide erwartet und nun führte man nach
180 Sekunden schon wieder mit 1:0. Die Bayern blieben davon zunächst unbeeindruckt und drängten auf den Ausgleich. Nach einem Steilpass von Robben riskierte
Gomez alles gegen Weidenfeller, traf zwar den Ball zuerst, scheiterte jedoch am Dortmunder Urgestein und rasselte übel mit diesem zusammen. Die Bilder ließen
nichts Gutes vermuten, Weidenfeller krümmte sich vor Schmerz und ich dachte mir noch, was macht ihr da so lange rum, der Kerl kann doch unmöglich weiterspielen.
Aber nicht nur Borussen-Fans sind verrückt, sondern auch Linksaußen und Torhüter. Und so machte Weide zunächst mal weiter.
In der Folgezeit waren die Bayern optisch überlegen. Im Gegensatz zu den letzten direkten Vergleichen gelang es der Borussia nicht, die Gegenspieler in den
direkten Duellen effektiv zu stellen. Und auch in der Abwehr zeigten sich die Bayern aufmerksamer und zweikampfstärker wie zuletzt. Trotz allem mussten die
Bayern lange auf ihre nächste Torchance warten. Diesmal war es Schweinsteiger der Gomez steil schickte. Weidenfeller, wohl immer noch nicht im Vollbesitz seiner
Kräfte sprintete ihm entgegen, kam einen Tick zu spät und holte ihn von den Beinen. Elfmeter! Jetzt konnten wir nur noch auf Robben hoffen. Doch der Holländer
tat uns diesmal, im Gegensatz zum letzten Spiel im Meisterschaftsendspurt, keinen Gefallen und verwandelte sicher. Die Bayern blieben nun zunächst am Drücker
und hatten durch Lahm noch einmal eine große Chance. Seine Direktabnahme nach Vorarbeit von Ribery wurde aber von Hummels geblockt. Wenig später gab Weidenfeller
seinen Kampf gegen die Verletzung auf und wurde durch Langerak ersetzt. Kaum im Spiel durfte auch er ins Laufduell mit Gomez. Doch diesmal siegte der Dortmunder
Torhüter während Gomez wieder nicht zurückzog, volles Risiko ging und mit Langerak zusammenrasselte. Diese Szene brachte nicht nur Jürgen Klopp an der Linie zum
Ausrasten. Innerhalb weniger Sekunden schüttete ich mein gesamtes Schimpfwort-Arsenal über dem Bayern-Stürmer aus. Gegen Ende der ersten Halbzeit kam der BVB
wieder besser ins Spiel und setzte sich am Strafraum der Bayern fest. Kuba dribbelte im Sechzehner während Boateng zu ungestüm in den Zweikampf ging und den
Polen von den Füßen holte. Auch hier gab es keine Zweifel, Strafstoß. Den Ball schnappte sich Hummels und Sekunden später zappelte der Ball im Netz. Erneute
Bierduschen und Jubelorgien auf den Rängen waren die Folge. Die Waldbühne stand nun. Doch bevor sich die Euphorie legen konnte, passte Kagawa bei einem Konter
in den Lauf von Lewandowski, der den Ball durch die Hosenträger von Neuer zum 3:1 einschoss. Was für eine Halbzeit.
Die Bayern mussten nun alles auf eine Karte setzten und brachten Müller für Gustavo. Das Spiel lebte nun mehr von der Spannung. Die Münchner waren zwar
weiter bemüht, aber einfach nicht zwingend genug um die Dortmunder Defensive vor ernsthafte Probleme zu stellen. So benötigte es schon eines Wanderausfluges
von Langerak um die nächste Chance der Bayern zu ermöglichen. Diese vertändelte Robben allerdings kläglich. Kurze Zeit später setzte Gündogan einen Freistoß
nur Zentimeter am Tor vorbei. Besser machte es die Borussia wenig später. Eine schöne Kombination zwischen Kagawa und Großkreutz schloss Lewandowski im Stile
eines Weltklasse-Goalgetters ab. 4:1 Die Menge schwankte zwischen ungläubigem Staunen und grenzenlosem Jubel. Damit hatten die kühnsten Optimisten nicht gerechnet.
Sollten wir tatsächlich das Double holen, hier konnte doch jetzt nichts mehr schief gehen. So recht glauben konnte ich das alles noch nicht. Der BVB spielte
nun locker auf und vergab durch Lewandowski kurz danach die nächste Chance. Allerdings vernachlässigte man zusehends die Defensive. Während Gomez mit einem
Kopfball noch an der Latte scheiterte, bestrafte Ribery kurze Zeit später diese Zurückhaltung. Ein feines Solo und ein satter Schuss von der Strafraumgrenze
brachten den Anschlusstreffer. Plötzlich machten sich wieder Bauchschmerzen breit. Zu nah war noch die Erinnerung an das 4:4 gegen den VFB Stuttgart. Nur noch
ein Tor der Bayern und hier wäre alles wieder offen. Jetzt irgendwie die nächsten 5-10 Minuten überstehen, dann müsste es das gewesen sein. Die Bayern versuchten
zwar noch einmal alles, aber außer einer Kopfball-Chance durch Gomez und einem harmlosem Schuss von Ribery, ließ der Dortmunder Abwehrverbund nichts zu.
Gegen Ende der zweiten Halbzeit. Gänsehautatmosphere beim Pulbic-Viewing in der Waldbühne Berlin.
Auf der anderen Seite zeigte Manuel Neuer eindrucksvoll, warum er bei mir den Spitznamen Hampelmann trägt. Eine flache Hereingabe vergrub er zunächst unter
sich, verlor aber irgendwie den Ball wieder, den sich Piszczek schnappte. Der Pole schaltete sofort, flankte auf seinen Landsmann Lewandowski und dieser nickte
zum 5:2 ein. „Manuel Neuer muss wirklich ein verdammt guter Torhüter sein. Wer innerhalb einer Saison so oft patzt und trotzdem von überall das Prädikat Weltklasse
angeheftet bekommt, muss ansonsten ja überragend sein.“, sollte ich später an diesem Tag noch analysieren. Ich glaube nicht das „Pannen-Olli“ Oliver Reck jemals
so viele Fehler in nur einem Jahr begannen hatte. Mir sollte es Recht sein. Der Jubel kannte nun natürlich keine Grenzen mehr und wir lagen uns auf der Tribüne
in den Armen. Der Rest des Spiels ist schnell erzählt. Es passierte nicht mehr viel. Herr Schweinsteiger zeigte sich allerdings als schlechter Verlierer und stieg
noch zweimal böse und unnötig ein. Das habe ich leider schon das ein oder andere Mal von ihm gesehen. Ansonsten ist er einer der wenigen Bayern-Spieler die wenigstens
im Ansatz sympathisch bei mir rüberkommen. Aber mal ehrlich, das interessierte keinen mehr. Die Frage war nur noch, wo wird nun der Sieg gefeiert.
Wir trafen uns zunächst mit dem Rest des Fanclubs vor dem Stadion. Da es nach wie vor bitterkalt war, wurde erstmal in den Stadionterassen ein Bierchen
gezischt und sich aufgewärmt. Danach ging es wieder zum Italiener La Fontana damit auch der Hunger gestillt werden konnte. Mein Pokal war jetzt nachdem der
BVB auch das Original sein Eigen nennen durfte natürlich sehr beliebt und musste für so manches Foto herhalten. Anschließend zogen wir weiter Richtung Alex.
Die Suche nach einer geeigneten Location zum Feiern gestaltete sich allerdings schwierig. Außer einer Disko die uns nicht wirklich als Gäste haben wollte, war
nichts zu finden. Da uns allen mittlerweile wieder böse kalt geworden und unser Hostel nur um die Ecke war, beschlossen wir, erstmal dort aufzuschlagen. Es
dauerte aber nur 1 Bier und gegen 02:30 Uhr machten sich die Strapazen des Tages bei den Ersten bemerkbar. Da auch am nächsten Tag noch einiges auf uns wartete,
beschlossen wir, die bezahlten Betten wenigstens kurz in Anspruch zu nehmen. Bis auf Ötzi, der sein Glück noch mal in der Disko versuchte und eine zeitlang
auch fand, hauten wir uns also aufs Ohr. Kurze Zeit später klingelte dann auch schon wieder der Wecker. Um 05:30 Uhr war die Nacht wieder vorbei. Schlaf- und
immer noch leicht siegestrunken duschten wir, kauften uns ein Frühstück auf die Hand und fuhren mit der U-Bahn zum Bahnhof. Schon um 6:45 Uhr fuhr unser Zug
nach Dortmund. Von der Zugfahrt weiß ich ehrlich gesagt gar nichts mehr. Muss also ziemlich unspektakulär verlaufen sein.
Nach einer langen und ereignisreichen Tour. Alle Hände am Pott am Hauptbahnof in Dortmund.
Danach zeigte uns Ötzi sehr ausgiebig den Bahnhof und seine Umgebung, ehe wir endlich den richtigen Weg zu seinem Bruder fanden. Dort gab es zum Frühstück
erstmal ein Bierchen und wir lauschten dem Doppelpass. Danach trafen wir uns mit weiteren Wagbachborussen beim Stammgriechen und rüsteten uns ausgiebig für
den Rest des Tages.
Geschafft aber hungrig nach einem langen Tag und einer kurzen Nacht. Trotzdem den Pokal haben wir aus Berlin mitgenommen :-)
Der Plan sah natürlich vor, sich dann einen geeigneten Platz für den geplanten Autokorso der Mannschaft zu suchen. Dies war aber gar nicht so einfach. Wir
mussten um 18:00 Uhr schon am Bahnhof sein und der Autokorso startete leider weit davon entfernt. Also ging es erstmal in die Innenstadt und es wurde weiter
ausgiebig gefeiert. Mit einem Auge verfolgte ich natürlich immer die Übertragung der Feierlichkeiten im Fernsehen. Spätestens als der Autokorso am Borsigplatz
feststeckte, war aber klar, dass wir die Spieler heute nicht mehr live sehen würden. So begnügten wir uns auf dem Weg zum Bahnhof mit ein paar Blicken auf eine
Videoleinwand, ehe es mit dem Zug zurück nach Mannheim ging.
Auch in der Innenstadt in Dortmund schwarz-gelbe Massen in Feierlaune
Es dauerte nicht lange, und wir fanden uns alle im ICE-Restaurant wieder, sehr zum Missfallen der Zugbegleiter. Zeitweise drohte uns sogar der Rauswurf.
Nicht dass wir uns komplett daneben benommen hätten, aber der ein oder andere Fangesang, musste eben doch zum Besten gegeben werden. Da auch im Zug noch ein
wenig Alkohol floss, gebe ich gerne zu, dass das Niveau dabei leider nicht parallel zum Alkoholspiegel stieg. Aber irgendwie arrangierten wir uns dann doch mit
Captain Iglo und der Frau, die man abends beim LKW-Ziehen auf DSF sehen könnte, wie Denis unsere Begleiter treffend umschrieb. Um 23:30 Uhr erreichten wir dann
wieder Mannheim. Während der Rest von uns sich Richtung Wiesental verabschiedete, musste ich nur kurz auf meinen Zug nach Karlsruhe warten. Es war schließlich
kurz vor 01:00 Uhr als ich todmüde ins Bett sank. Ein langer, ereignisreicher und erfolgreicher Trip war vorbei. Mit den Bildern der feiernden Borussen vor
Augen und den Fangesängen im Ohr schlief ich schließlich ein.
Fazit:
Der Kreis wurde geschlossen, die Revanche ist geglückt. Natürlich war es wieder ein ganz besonderes Erlebnis. Es macht einfach unglaublich Spaß mit Borussen
unterwegs zu sein. Egal wo und egal gegen wen, man ist einfach nie alleine unterwegs und fühlt sich immer irgendwie zuhause. Aber trotz des Sieges war die Stimmung
irgendwie anders als 2008. Keines der 5 Tore schaffte es, den emotionalen Ausbruch den ich vier Jahre zuvor im Berliner Olympiastadion beim späten Ausgleich der
Borussia erlebte, erneut auszulösen. Ich habe mich danach oft gefragt, warum das so war. Vielleicht lag es daran, dass ich keine Karte fürs Stadion hatte. Vielleicht
lag es daran, dass wir kurz zuvor bereits die Meisterschaft verteidigt hatten und damit schon vielmehr erreicht hatten, als sich alle erträumt hatten. Eventuell
war der Saisonendspurt aber auch einfach zu nervenaufreibend. Das irre Halbfinale gegen Greuter Fürth, das Wahnsinns 4:4 gegen den VFB, das bis zum Schluss spannende
Spiel gegen Wolfsburg und danach die entscheidenden Spiele gegen Bayern und Gladbach und dazwischen noch das ohnehin immer emotionsgeladene Derby. In diesen Wochen
bin ich gefühlt um Jahre gealtert. Irgendwann ist man dann wahrscheinlich emotional einfach zu erschöpft. Ich freute mich jetzt einfach auf die Sommerpause und ein paar Wochen ohne Fußball.
Trotzdem werde ich natürlich auch diese Tour nicht so schnell vergessen. Während ich diese Zeilen nun schreibe, ist es bereits Anfang Juli und ich erwische mich dabei, wie ich die
Termine der Testspiele checke. Die Vorfreude ist schon wieder da und bald werde ich es kaum erwarten können, die Schwarz-Gelbe Borussia wieder spielen zu sehen.
Und wer weiß, vielleicht berichte ich schon bald aus Barcelona oder Madrid. Messi und Ronaldo, ihr könnt euch schon mal warm anziehen!
Nach der grandiosen Saison im Vorjahr Jahr durfte der BVB sich dieses Jahr wieder dort präsentieren, wo er hingehört,
in der Königsklasse. Die Gruppenauslosung bescherte uns mit Marseille, Piräus und Arsenal London attraktive aber auch schlagbare
Gegner. Nachdem ich letztes Jahr in der Euroleague gegen Paris St.-Germain mein erstes europäisches Auswärtsspiel erleben durfte,
sollte diesmal London das Ziel sein. Doch als Anhänger der Borussia hat man es nicht leicht, wenn es um Eintrittskarten geht.
Es war schnell abzusehen, dass es wieder einmal schwierig werden dürfte, an Tickets zu kommen. Da aus den
ersten 3 Spielen auch nur ein Punkt geholt wurde, drohte die Champions-League vorbei zu sein, bevor sie für mich begonnen hatte.
So entschied ich mich, zumindest das Heimspiel gegen Piräus mitzunehmen. Zusammen mit vier weiteren Jungs von der Wagbach-Borussen
und anderen BVB-Fans aus der Umgebung machten wir uns morgens um kurz nach 11 Uhr mit dem Bus auf von Wiesental gen Dortmund.
Unser "Klein"-Bus auf dem Weg von Wiesental nach Dortmund zum Champions-League Heimspiel gegen Olympikakos Piräus.
Während wir auf der Hinfahrt noch die letzten Fans einsammelten und Ötzi verzweifelt versuchte uns mit Musik zu versorgen,
wurde natürlich das ein oder andere Bierchen getrunken und sich über frühere BVB-Spiele unterhalten. Der Kleinbus war schließlich mit
17 Fans bis auf den letzen Sitz gefüllt und bot demnach nicht wirklich viel Platz. Dafür kostete uns der Spaß inklusive Fahrer auch nur
30,- Euro. Auf der Raststätte Wetterau gab es dann den obligatorischen Jägermeister. Nächster Halt war die Raststätte Siegerland. Als
wir dort den Parkplatz anfuhren, sahen wir bereits von weitem eine große gut 50 Mann starke Gruppe von Olympiakos Piräus. Doch diese
waren nicht alleine. Wir waren kaum ausgestiegen, da bildeten etliche Polizisten bereits eine Kette und trennten uns von den griechischen
Fans. Leicht nervös wurden wir auch schnell gefragt, ob wir hier eine längere Pause machen wollten und es wurde uns recht deutlich klar
gemacht, dass dies nicht erwünscht war. Wir konnten die Polizei aber beruhigen und auch die Griechen waren nicht auf Krawall aus. So
ergab sich sogar noch das ein oder andere knappe Gespräch. Kurze Zeit später ging es dann weiter.
Auf den Rastplatz Siegerland. Ein grosse Gruppe griechischer Fans und jede Menge Polizei.
Um ca. 16 Uhr erreichten wir schließlich Dortmund und besuchten erstmal das Brauhaus Krone am Alten Markt. Als sich alle
ein wenig gestärkt hatten und wir wieder nach draußen gingen, sahen wir gerade noch, wie ein großer griechischer Mob unter
Polizeibegleitung in Richtung Stadion eskortiert wurden. Auch wir machten uns jetzt auf zum Tempel. Dort angekommen wurden am Tennisheim
erstmal die Wagbach-Borussen mit Wohnsitz in Dortmund begrüßt. Danach ging es zum Stadion. Einige von uns hatten Karten für die Westtribüne.
Ich hatte das Glück auf der Südtribüne Platz nehmen zu dürfen. Zwar ist bei internationalen Spielen die Südtribüne offiziell auch
Sitzplatz-Bereich, spätestens zum Anpfiff wurde hier aber, wie es sich gehört gestanden. Allerdings verringert sich so die Kapazität von
25.000 auf 16.000. Trotzdem füllte sich die Südtribüne langsamer als sonst. Auch sonst gibt es in der Königsklasse kleinere und größere
Unterschiede zum Bundesliga-Alltag. Jürgen Klopp wird gezwungen im feinen Zwirn an der Linie zu stehen und zum Einlaufen der Mannschaften
ertönt nicht Heja BVB sondern die Champions-League-Hymne. Vielleicht lag es daran, aber das heimische Gefühl das mich sonst immer auf der
Südtribüne überkommt, wollte sich diesmal nicht einstellen. Aber darauf konnte ich nun keine Rücksicht nehmen. Es galt schließlich den als
sangesfreudig bekannten 3.000 Griechen ordentlich Kontra zu geben.
Der gut gefüllte Gästeblock im schönsten Stadion der Welt. BVB - Olympiakos Piräus im Westfalenstadion.
Jürgen Klopp baute die Mannschaft auf zwei Positionen um. Sven „genannt Chuck Norris“ Bender war zu aller Überraschung doch nicht
rechtzeitig fit geworden. Für ihn kam der erst 18jährige Moritz Leitner zu seinem ersten Auftritt auf internationalem Parkett. Außerdem
rückte ebenfalls etwas überraschend der Dortmunder Jung Kevin Großkreutz für Shinji Kagawa in die erste Elf. Von der ersten Minute an,
wurde die Mannschaft nach vorne gepeitscht. Und sie wusste sich angemessen zu bedanken. Schon nach drei Minuten wurde Perisic von Götze
wunderschön im Strafraum freigespielt, knallte das Leder aber über das Tor. Besser machte es nur vier Minuten später Großkreutz. Nach
Pass von Götze hämmerte er den Ball aus rund 25 Metern mit einem satten Schuss in die Maschen. Was für eine Erlösung, Dortmund war
endlich in der Königsklasse angekommen. Der Jubel auf den Rängen kannte natürlich keine Grenzen. Doch wer dachte, die Borussen würden
die Griechen nun mit ihrem bekannten Hurra-Fußball überrollen, sah sich getäuscht. Kontrollierte Offensive hatte der bei den Griechen
bestens bekannte Otto Rehagel die nun folgende taktische Ausrichtung einst genannt. Der BVB tauchte nun immer seltener vor dem gegnerischen
Strafraum auf und überließ Piräus mit zunehmender Spieldauer das Feld. Leider ließen sich auch die Tribünen im weiten Rund zusehends in
die Defensive drängen. Ob es die Anspannung war oder das Abwartende Spiel der Mannschaft auf dem Rasen, die Stimmung aus dem ersten
Heimspiel gegen Arsenal konnte nicht annähernd erreicht werden. Immerhin wusste aber auch Olympiakos nicht wirklich zu überzeugen. Bei
einigen Standard-Situationen gegen Ende der ersten Hälfte wurde es zwar noch einmal brenzlig. Eine wirklich gute Torchance hatten aber
auch die Griechen nicht zu verzeichnen.
Noch vor dem Spiel. Die Mannschaften präsentieren sich vor der Westtribüne.
In der zweiten Halbzeit bot sich zunächst ein ähnliches Bild. Piräus hatte mehr Ballbesitz und der BVB betrieb weit weniger
aggressives Pressing als gewohnt. Torchancen blieben aber auf beiden Seiten Mangelware. Die ständige Anspannung ohne echte Höhepunkte
machten sich auch weiterhin auf den Tribünen bemerkbar. Die Stimmung war seltsam gedrückt und irgendwie hatte man das Gefühl der
Hexenkessel Westfalenstadion läuft nur mit halber Kraft. Wieder einmal zeigte sich aber, dass der Funke nicht nur von den Tribünen auf
den Rasen überspringen kann, sondern dies auch umgekehrt funktioniert. Zunächst spritzte Robert Lewandowski in einen zu kurzen Rückpass,
umkurvte den gegnerischen Torhüter und scheiterte aus spitzem Winkel am Pfosten. Dann sorgten einige zweifelhafte Schiedsrichter-Entscheidungen
innerhalb kürzester Zeit für reichlich Unmut. Plötzlich brodelte das Stadion und der Kessel schien kurz vor dem Ausbruch. Es schien als hätte
der schwarz-gelbe Anhang eine Stunde lang nur auf diesen Moment gewartet. Minutenlang wurde der Gegner bei jedem Ballkontakt gnadenlos
ausgepfiffen. Und endlich wurde auch die Südtribüne ihrem legendären Ruf gerecht. „Deutscher Meister steh auf“ hallte es durchs Stadion.
Und der Deutsche Meister stand auf! Sämtliche Fans erhoben sich von ihren Sitzplätzen und Dortmunder Sprechchöre drangen durch die flutlichtgetränkte Nacht. Endlich
zeigte das Stadion, was in ihm steckt. Auf dem Rasen hatte der BVB die Sache weiter mehr oder weniger im Griff. Piräus schien zwar stets
gefährlich, konnte sich aber kaum echte Torchancen erarbeiten. Kurz vor Schluß dann noch einmal ein Eckball für Olympiakos. Ich konnte kaum
hinsehen. Zu oft hatte ich in der letzten Saison bei Live-Spielen Ernüchterung erleiden müssen. In sieben Spielen war mir nur ein Sieg vergönnt,
und das in einem Jahr, in dem die Borussen so ziemlich jeden Gegner an die Wand gespielt hatten. Doch diesmal sollte es anders laufen. Der
Eckball verpuffte und wenig später folgte der Schlusspfiff. Es war geschafft, der erste Dreier eingefahren.
Die Mannschaft bedankt sich bei ihren Fans und zusammen wird das 1:0 gegen Olympiakos Piräus gefeiert.
Leider kam zeitgleich Arsenal London nicht über ein 0:0 gegen Marseille hinaus. Der Einzug ins Achtelfinale ist nun selbst bei zwei
Siegen in den verbleibenden Spielen nicht garantiert. Aber immerhin war Platz drei in der Gruppe wieder zurück erobert. Dieser würde immerhin
zum Verbleib in der Euro-League berechtigen. Nach dem Schlusspfiff trafen wir uns wieder mit den Anderen am Tennisheim und versuchten telefonisch
unseren Busfahrer zu uns zu lotsen, was mehr schlecht als recht gelang. Gegen 23:30 Uhr verließen wir dann Dortmund. Die Rückfahrt verlief
weitgehend ereignislos. Den meisten war die Müdigkeit inzwischen deutlich anzumerken und so wurde größtenteils geschlafen. Während man sich an
einer Raststätte noch einmal stärkte und damit haderte noch 2 Stunden Fahrt vor sich zu haben, trafen wir noch ein Auto voller Borussen mit
Schweizer Kennzeichen. Die große Borussen-Familie macht eben auch an den Grenzen nicht Halt. Leider hat dies aber auch seine Nachteile. So
wohl das Derby als auch der Auswärts-Trip nach London finden wohl ohne mich statt. Wenn die Nachfrage das Angebot um ein vielfaches übersteigt,
wird die Kartenbestellung eben zur Lotterie. Um kurz nach vier Uhr morgens erreichten wir schließlich Wiesental. Es hat wieder einmal viel Spaß
gemacht mit den Wagbach-Borussen auf Tour zu sein. Und endlich stimmte auch mal wieder das Ergebnis. Jetzt bin ich nur noch gespannt, wann wir
das nächste Mal singen dürfen: Ballspielverein Borussia aus Dortmund, wir folgen dir egal wohin es geht…
Am Samstag, den 09.05.09 stand am 31. Spieltag die Begegnung Dortmund – Karlsruhe auf dem Spielplan. Auf dem Papier
eigentlich ein ganz normales Fußball-Spiel. Aber eben nur auf dem Papier. Für mich war es, abgesehen vom
historischen Derbysieg 2007 und dem Pokalfinale 2008 das geilste Spiel, welches ich bisher in unserem Tempel erleben durfte.
Und daher gibt’s jetzt auch nen Bericht dazu: Der Tag begann bereits um 6:30 Uhr. Nach gerade mal 2 Stunden Schlaf brauchte
ich eine Weile um richtig wach zu werden. Aber die Vorfreude auf das Spiel half mir dann doch die Müdigkeit zu
besiegen.
Um 7:00 Uhr holte mich ein Geschäftskollege und KSC-Fan ab und wir fuhren nach Wiesental. Dort wurde noch kurz dem
Bäcker ein Besuch abgestattet. Um kurz nach 8:00 Uhr saßen wir dann in einem von den Wagbach-Borussen
organisierten Doppeldecker-Bus und machten uns auf den Weg nach Dortmund. Obwohl der Bus je zur Hälfte mit KSC-Fans
und Borussen besetzt war und für beide Vereine viel auf dem Spiel stand (Dortmund kämpfte um die internationale
Teilnahme im nächsten Jahr, Karlsruhe gegen den Abstieg) war die Stimmung die ganze Fahrt über völlig
friedlich und ausgelassen. Im unteren Teil des Busses gab es sogar eine kleine Bar mit eigener Bedienung. So wurde bereits
auf der Fahrt das ein oder andere Bier geleert.
Auf einem Rastplatz wurden wir von einigen anderen KSC-Fans mit dem alt bekannten „Ihr seid Ruhrpott-Kanacken“
begrüßt. Wir antworteten so, wie es Borussen seit jeher tun. „Wir sind Ruhrpott-Kanacken, Ruhrpott-Kanacken,
ja wir sind Ruhrpott-Kanacken“ schallte es aus dem Bus. Damit war das auch geklärt und es konnte weitergehen. Bereits
um 13:00 Uhr erreichten wir das Westfalenstadion, den Tempel, das größte seiner Art in Deutschland und mit der
größten zusammenhängenden Stehplatz-Tribüne Europas versehen.
Am Tennisheim trafen wir uns noch mit anderen Borussen, ehe wir uns auf den Weg machten. Die Karlsruher hatten fast
ausnahmslos Gästekarten im Stehplatz-Bereich. Wir hatten wieder einmal das Glück, auf der Südtribüne
stehen zu dürfen. Der erste Jubel brach aus, als Norbert Dickel den Halbzeitstand der Amateure verkündete: 2:0
im Spitzenspiel gegen Köln. Der Aufstieg wird somit immer wahrscheinlicher. Ca. 1 Stunde vor Spielbeginn dann das
übliche Bild. Das Stadion war insgesamt noch fast leer, der Gästebereich füllte sich langsam und die
Süd-Tribüne war fast schon voll! Wir standen im unteren Teil im Block 11. Ich blickte mich nach oben um und
starrte auf diese nicht enden wollende Masse aus Borussen-Fans. Und da war es wieder, dieses unbeschreibliche Gefühl,
das man so schwer in Worte fassen kann. Man steht da, blickt in dieses Meer aus schwarz und gelb und es breitet sich diese
wohlige Gefühl in der Magengegend aus: „Ja, hier bin ich zuhause“, denkt man sich unwillkürlich. Boris Becker
würde wohl sagen: „Es ist mein Wohnzimmer“
Kurz vor Spielbeginn: Die Borussen-Mannschaft schwört sich auf das Spiel ein. Im Hintergrund der gut gefüllte KSC-Fanblock.
Kurze Zeit später ging es dann richtig los. Zunächst betraten wie üblich die Gästespieler den Rasen und
wurden mit einem netten Pfeifkonzert begrüßt. Dann kam Roman Weidenfeller und unser Torwart-Trainer Teddy de
Beer. Beide wurden, wie anschließend einige Feldspieler mit eigenen Gesängen bedacht. Schön, dass sich
dieses Ritual scheinbar wieder etabliert hat. Um 15:30 Uhr dann pünktlich der Anpfiff.
Ich weiß nicht, ob es an den 6 Siegen in Folge lag, oder ob die Borussia wirklich von Beginn an den Ton angab, aber
ich hatte bereits nach wenigen Minuten das Gefühl, hier konnte nichts schief gehen. Auch auf der Tribüne konnte
man die neu erwachte Lust auf die Borussia nicht nur spüren, sondern auch hören.
So erreichte bereits zu Beginn der Lautstärkepegel ungeahnte Ausmaße. Und dies lag wohl nicht nur an der zuletzt
gezeigten Siegesserie. Vielmehr hatte die Borussia uns dieses Jahr alles gezeigt, was man sich von seinem Fußball-Verein
wünscht. In jedem Spiel bedingungsloser Kampf, gepaart mit spielerischer Raffinesse und das Gefühl, dass
jeder Spieler endlich kapiert hatte, was es bedeutet das Wappen dieses Vereins auf der Brust zu tragen. Das einzige was
fehlte, war das Sahnehäubchen. Genau dies sollte heute folgen.
Man hätte eigentlich vermuten können, dass der KSC von der ersten Minute an versuchen würde, Dortmund den
Schneid abzukaufen. Wenn die Qualität fehlt, kann man schließlich nur noch mit Einsatz dagegenhalten. Aber dazu
kam es nicht. Der BVB wirkte von Beginn an hochkonzentriert und immer einen Schritt voraus. Karlsruhe lauerte auf Konter
und hatte in der ersten Viertelstunde immerhin 2 halbe Chancen zu verbuchen. Dortmund dagegen scheiterte zweimal knapp
durch Valdez, einmal konnte er dabei nur durch ein elfmeterreifes Eingreifen am Tor gehindert werden. Dies war für
den Schiedsrichter aber kaum zu erkennen. Außerdem verfehlte Hajnal nach schöner Vorarbeit von Kuba nur knapp
das Gehäuse seines ehemaligen Mannschaftskollegen.
In der 25. Minute war es dann aber soweit. Eine schöne Kombination über Kehl und Frei schloss Kuba mit einem
fulminanten Volleyschuss in den Winkel unhaltbar ab. Kuba, ausgerechnet Kuba, der durch viele Verletzungen gebeutelt in der
Rückrunde vielleicht der einzige war, der unter Form spielte. Wenn jetzt auch er noch aufdreht, konnte uns eigentlich
keiner mehr stoppen. Die Heimfans von Hannover, Berlin, Bochum und Frankfurt durften es in den letzten Wochen bereits erfahren,
als jeweils über 10.000 Borussen ihre Stadien eroberten. Jetzt hallte es auch über den
Rasen des Westfalenstadions: „Der BVB, Der BVB, der BVB ist wieder da!“.
In der Folgezeit war Dortmund zwar spielerisch überlegen, konnte sich aber keine weiteren Chancen erarbeiten. Kurz vor
der Halbzeit dann der Schock. Nach einer Kerze von Kehl im Strafraum, kam Weidenfeller nicht entschlossen genug heraus und
Santana und Kennedy behinderten sich beim Kopfballduell gegenseitig. Letzterer traf den Ball dann aber mit der Hacke und
plötzlich kullerte er an den Pfosten und von dort in die Arme des glücklichen Borussen-Schlußmannes. Da
wäre es fast gewesen, das berühmte Tor aus dem Nichts. Ich glaube noch vor einem Jahr wäre so ein Ding drin
gewesen. Aber mittlerweile hatten wir uns eben auch das nötige Glück erarbeitet. Dortmund wurde durch diesen
Pfostentreffer aufgeweckt und hatte durch Subotic und Owomoyela noch mal zwei gute Chancen. Mit 1:0 ging es schließlich
in die Halbzeit.
Wir hatten bislang ein tolles Spiel gesehen und eine tolle Stimmung erlebt. Einziger Wehrmutstropfen waren die Ergebnisse
auf den anderen Plätzen. Zu Beginn der zweiten Halbzeit dann erneut eine starke Borussia. Man ließ die Badener
nun kommen, hatte aber keine Mühe die Angriffe abzufangen. Auf der anderen Seite setzte man durch schnell vorgetragene
Angriffe immer wieder Nadelstiche. In der 62. Minute dann der Lohn. Sahin schnappte sich bei einem Freistoß aus
halbrechter Position den Ball und zirkelte ihn über die Mauer zum 2:0 in die Maschen. Ein Tor bei dem KSC-Torhüter
Miller nicht ganz glücklich aussah. Aber wen interessierte das auf den Tribünen. Zum wiederholten Male wurde das
Stadion aufgefordert sich zu erheben, und die meisten kamen dem Wunsch der Südtribüne nach. BVB-BVB
Wechselgesänge hallten durchs Stadion, der Europapokal wurde besungen und dem ungeliebten Nachbar aus der verbotenen
Stadt verbal mitgeteilt, wer die Nr.1 im Pott ist.
Während ich in manch anderen Spielen zeitweise vor lauter Anspannung nicht fähig war, die Mannschaft zu supporten,
war es diesmal anders. Hier würde nichts mehr schief gehen. Jetzt konnte man die Jungs auf dem Rasen endlich einmal
ausgiebig feiern. Keine 10 Minuten später sorgte Santana völlig unbedrängt per Kopf nach einem Sahin-Eckball
für die nächste Ekstase auf den Rängen. Nun schwappte sogar die La Ola Welle durchs weite Rund. Dortmund
feierte die eigene Mannschaft mit stehenden Ovationen und „Oh wie ist das schön“ - Sprechchöre füllten das
Stadion. Für den krönenden Abschluß sorgte dann Alex Frei. Einen Zuckerpass des eingewechselten Boateng
versenkte er gekonnt und diesmal unhaltbar für Miller im rechten Eck. 4:0, Party pur auf den Rängen, und dies
schon lange nicht mehr nur auf der Südtribüne.
Glücklicherweise verkniff man es sich das ganze Spiel über, irgendwelche Anti-KSC-Gesänge anzustimmen. Kein
„Schade Karlsruhe, alles ist vorbei“, kein „Nie mehr, erste Liga, nie mehr, nie mehr“. Den eigenen Verein absteigen zu sehen,
ist sicherlich das schlimmste was einem Fußballfan passieren kann. Das wünsche ich wirklich keinem. Auch wenn der
KSC nach diesem Spieltag rechnerisch noch lange nicht abgestiegen war, so machte sich beim mitgereisten Anhang trotzdem
langsam eine Gewissheit breit: Dieses Stadion würde man nächstes Jahr nicht mehr zu sehen bekommen und stattdessen
wohl wieder mit Augsburg und Koblenz Vorlieb nehmen müssen. Nach dem Schlusspfiff bedankte sich die Mannschaft bei
allen Tribünen und ließ sich vor der Süd noch einmal mit der ureigenen Dortumder Humba Version zur Melodie
von „Ein Wagen vor mir..“ kräftig feiern. „Ballspielverein Borussia aus Dortmund. Wir folgen dir egal wohin es geht,
auch in ganz schweren Zeiten werden wir dich stets begleiten, Borussia wir sind immer für dich da, Shalalala,
shalalalala“ – hallte es durchs Stadion und die Südtribüne hüpfte!
Fußball wie man ihn sich vorstellt. Ausgelassene Stimmung auf der Südtribüne und eine feiernde Borussen-Mannschaft.
Nach dem Spiel traf man sich erneut am Tennisheim und versuchte den Spagat zwischen Feiern und Aufmuntern der Karlsruher
Fans irgendwie hinzubekommen, was uns aber einigermaßen gelang. Auf der Rückfahrt ging dann die Party richtig
los. Unsere Bedienung, die uns auf der Hinfahrt ob ihres pedantischen Auftretens und dem ständigen Versuch ihre
Arbeitsfläche strikt freizuhalten noch den Nerv geraubt hatte, sorgte nun nur noch für Belustigung. Aber nicht
dass mich nun einer falsch versteht. Ich kann mir schöneres Vorstellen, als eine Horde Fußballfans über
Stunden hinweg zu bedienen. Dabei zuzusehen, wie der steigende Alkoholkonsum dafür sorgt, dass das Verhältnis
zwischen getrunkenem und ausgekipptem Bier sich allmählich in die falsche Richtung bewegt, macht die Sache nicht
einfacher. Daher Daumen hoch für unsere Bedienung die das alles mit Ruhe und Gelassenheit meisterte. Wir sorgten aber
auch dafür, dass die Sache nicht zu sehr ausartete und hielten den Bus einigermaßen sauber.
Gegen Ende unserer Tour ging es dann auch mit der Stimme langsam in den Keller. Unzählige BVB-Sprechchöre drohten
langsam Spuren zu hinterlassen. Nicht in den Keller dafür zur Neige ging es mit den Alkohol-Reserven im Bus. Mit den
letzten verbliebenen Resten wurden eigenartige Cocktail-Kombinationen entwickelt und mit „Schere-Stein-Papier-Battles“ an
den Mann gebracht. Um kurz vor 23:00 Uhr erreichten wir schließlich wieder Wiesental. Während die anderen
Borussen sich noch Gedanken machten, wo man die Nacht standesgemäß ausklingen lassen konnte, musste ich meinen
Zug nach Karlsruhe erwischen. Kurz nach Mitternacht sank ich müde aber nach wie vor mit einem Lächeln auf den
Lippen und BVB-Gesängen im Ohr ins Bett.
Eine wunderschöne Tour lag hinter mir. Dortmund hatte mit dem 4:0 den höchsten Heimsieg seit dem 6:1 gegen Arminia
Bielefeld im Dezember 2007 errungen. Ganz nebenbei wurde mit dem siebten Sieg in Folge auch noch ein neuer Vereinsrekord
aufgestellt. Die Südtribüne wurde endlich wieder ihrem legendären Ruf gerecht und präsentierte sich als
gelbe Wand! Da am nächsten Tag auch noch der HSV sein Derby gegen Bremen verlor, stand der BVB zudem endlich da, wo er
nach Meinung aller auch hingehörte, auf Platz 5! Daher wuchs die Hoffnung, dass man im nächsten Jahr auch wieder
in Europa zeigen dürfte, wer die besten Fans der Liga stellt. Ich habe zwar an diesem Tag keinen Oskar gewonnen, aber
immerhin ne Menge Spaß gehabt, daher eine kurze Dankesrede:
Mein Dank gilt zunächst den Wagbach-Borussen für die geile Stimmung im Bus, und insbesondere an Ötzi für
die Organisation der Tour. Ein Dankeschön geht auch an die KSC-Fans im Bus, die gezeigt haben, dass Fußballfans
trotz aller Rivalität und der Bedeutung des Spiels gemeinsam feiern können. Zu guter Letzt natürlich Danke
an die Mannschaft, Danke an Nuri Sahin, der nun schon wiederholt gezeigt hat, warum ihn Arsene Wenger als größtes
europäisches Jungtalent geadelt hat. Danke an Neven Subotic und Felipe Santana die zusammen mit dem Rest des Teams
dafür gesorgt haben, dass aus der Schießbude der Liga die zweitstärkste Abwehr wurde. Und Danke an Nelson
Valdez für seinen immerwährenden Kampf und an Alex Frei für seine Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor, und
Danke natürlich auch dem Rest des Teams.
Und ein ganz besonderes Dankeschön an Jürgen Klopp, der es geschafft hat, aus einer Ansammlung talentierter
Spieler eine Mannschaft zu formen, die einfach nur Spaß macht. Wie schrieb doch gleich das größte deutsche
Fachmagazin vor kurzem: Eine Mannschaft, die prallen Einsatz zeigt und immer häufiger eine bunte Schleife fußballerischer
Feinheiten um ihr Paket aller konzeptionellen und konditionellen Anstrengungen bindet. Eine Mannschaft, die auch ohne
Superstars Spiele abliefert, die als Reklamemuster für den deutschen Ligafußball taugen.
In diesem Sinne - Nur der BVB, Unser ganzes Leben, unser ganzer Stolz.
Edit, Samstag, 23.05.09, 17:20: Wieder einmal musste ich feststellen, dass es keinen Fußballgott gibt. Durch ein Tor
in letzter Minute schnappte der HSV dem BVB noch den 5. Platz und damit die Teilnahme am internationalen Wettbewerb vor der
Nase weg. In Momenten wie diesem fragt man sich, warum man nicht "normal" sein kann und sich nicht wie Millionen anderer
Menschen kaum für Fußball interessiert. Aber dann scrolle ich nach unten, lese mir zum x-ten mal den Bericht vom DFB-Pokal-
Finale durch und dann weiß ich es wieder, Dortmund ist einfach geil!
DFB-Pokal Finale Berlin (BVB - Bayern München) 19.04.08
Freitagabend um 17:00 Uhr war es soweit. Mit zwei großen aufblasbaren Bananen, einen selbst gebastelten DFB-Pokal und
diversen anderen Fanutensilien machte ich mich auf nach Dortmund. In Bruchsal nahm ich noch Ötzi und Daniel vom
Fanclub Wagbach-Borussen mit, die ich noch vom vorletzten Derby kannte. Da Ötzis Mutter in Dortmund wohnt, war auch die
Unterkunft gesichert. Um kurz nach 20:30 Uhr kamen wir in Dortmund an und philosophierten noch bis kurz nach Mitternacht mit
der ganzen Familie über bisherige Erlebnisse und unsere Chancen den Pott in den Pott zu holen.
Ein paar Stunden später, um 4:30 Uhr klingelte bereits wieder der Wecker, unsere Mission konnte beginnen. Ein kurzes
Frühstück und auf mit der S-Bahn Richtung Hauptbahnhof. Der Sonderzug der Fanabteilung sollte eigentlich um 7:00
Uhr starten, hatte aber wie so oft bei der Bahn 20 min Verspätung.
Rund 1000 Borussen warten auf einen der vielen Sonderzüge nach Berlin.
Die Fahrt verlief dann ziemlich unspektakulär. Ein kurzer Besuch im Sambawagen, ein paar gemütliche
Frühstücksbierchen und viele Gespräche über das bevorstehende Finale. Um kurz nach 12:00 Uhr erreichten
wir dann Berlin. Bereits der Hauptbahnhof war fest in schwarz-gelber Hand. Ein Bild das sich den ganzen Tag über nicht
ändern sollte. Ob Kuhdamm, Gedächtniskirche oder Fanmeile, schwarz-gelb wohin man schaute. Nur vereinzelt traf
man Bayern-Fans. Ich hatte ja nicht wirklich damit gerechnet, dass viele Bayern-Fans ohne Karte anreisen würden. Da
dies von etlichen BVB-Fans geplant war, wurde mit einer gewissen Übermacht in der Stadt auch durchaus gerechnet. Aber
ich frage mich schon, wo sich die 20.000 Bayern-Fans, die Karten für das Spiel hatten, tagsüber aufgehalten haben.
Stadtmitte Berlin, fest in schwarz-gelber Hand.
So verbrachten wir dann die nächsten 3-4 Stunden in der Dortmunder Innenstadt. An einer Pommes-Bude bei der ne
Curry-Wurst mit Pommes 6,50 Euro kostete, trafen wir dann Waldemar Hartmann, der natürlich sofort für ein Foto
herangezogen wurde.
Waldi, der Pokal und Ich.
Gegen 15:30 Uhr machten wir uns dann auf den Weg Richtung Stadion.
Die Wagbach-Borussen und Ich vor dem Olympiastadion in Berlin.
Dort erlebten wir dann die erste negative Überraschung. Etliche Dortmund-Fans hatten sich ja bereits im Vorfeld mit
aufblasbaren Bananen von Chiquita oder Onkel Tuca eingedeckt. Die hatten bereits 1989, beim letzten Triumph im DFB-Pokal
den Weg ins Stadion gefunden und galten so als gutes Omen. Wer am Tag des Endspiels noch keine hatte, wurde dann von
Chiquita selbst versorgt. Angeblich wurden über 15.000 Bananen (allerdings die kleine Ausführung) verteilt. Doch aus
mir nicht ersichtlichen Gründen, hatte der DFB für Bananen nichts übrig und so wanderten diese allesamt in die
Mülltonne, oder man durfte das Stadion nicht betreten. Besonders ärgerlich, für diejenigen, die noch ihre
Original-Bananen von 89 dabei hatten. Richtig ärgerlich wurde es aber, als ne halbe Stunde später wieder etliche
Fans mit Bananen das Stadion betraten. Das Verbot war inzwischen wieder aufgehoben.
Die Laune wurde aber schlagartig besser, als wir im Stadion Norbert 'jeder kennt ihn, den Held von Berlin' Dickel trafen.
Den Spieler, der sich vor 19 Jahren im DFB-Pokalendspiel gegen Bremen kurz nach einer Knorpelverletzung gegen den ärztlichen
Rat fitspritzen ließ, 2 Tore erzielte und dies mit der Sportinvalidität bezahlte. Der jetzige Stadionsprecher des BVB
musste natürlich auch mit dem Pokal fotografiert werden.
'Der Held von Berlin' – Norbert Dickel im Innenraum des Olympiastadions mit unserem Pott!
Danach nahmen wir unsere Plätze ein. Die Wagbach-Borussen hatten Plätze im Unterrang, ich im Oberrang, jeweils
rechts vom Marathon-Tor. Noch während das Damen-Finale lief füllte sich ganz gemächlich der Dortmunder Block,
von Bayern nach wie vor nicht viel zu sehen. Saarbrücken ging zwar im Finale als noch krasserer Außenseiter als
wir mit 1:0 in Führung, kassierte aber bis zum Schluss noch 5 Tore. Respekt aber an die Anhänger aus Saarbrücken,
die einen klasse Support ablieferten und Frankfurt klar in den Schatten stellte. Obwohl man da eigentlich eh nicht von
Support sprechen kann, wenn die Hälfte der Fans das Spiel im Sitzen beobachtet.
Das Vorspiel war also vorüber, die Anspannung wuchs nun von Minute zu Minute. Ich drehte mich immer mal wieder um,
und schaute wer da sonst noch so in meinem Block stand. Waren die auch bereit, alles zu geben? Die Karten wurden zwar fast
ausschließlich an Mitglieder und Dauerkarteninhaber verlost, aber nicht jeder der ne Dauerkarte hat oder Mitglied ist,
will während eines Fußballspiels 90 min singen. Das muss man leider auch des Öfteren auf der Südtribüne
unseres Tempels feststellen. Doch an diesem Tag waren die Zweifel unberechtigt. Ca. 1 Stunde vor dem Spiel wurde auch der
letzte heiß gemacht. Zu den Klängen von '50.000 Borussen an der Spree' betrat Norbert Dickel das Spielfeld,
heizte die Fans noch mal an und zelebrierte die Mannschaftsaufstellung. Kurze Zeit später betraten die ersten Spieler
zum Warmmachen den Platz. Und spätestens hier begann der Dauer-Support.
Die Dortmunder Kurve am Marathon-Tor.
Dann der Anpfiff. Direkt danach der erste Wechselgesang. Hier erwies sich die Kurve am Marathon-Tor sogar als Vorteil.
Durch die klare Trennung der beiden Blöcke hallte ein unglaublich intensives BVB – BVB durchs Stadion. Zu Beginn
wirkten die Dortmunder noch nervös und brachten nach vorne nicht viel zu Stande. Dafür stimmte diesmal der Einsatz
von der ersten Minute an. Doch Bayern spielte, wie man sie kennt, direkt die erste Chance wurde durch Toni zum 1:0 genutzt.
Ein Schock für den Dortmunder Anhang. Doch noch bevor das Spiel wieder angepfiffen wurde, halten bereits wieder
BVB-Sprechchöre durchs Olympiastadion. In der Folgezeit konnte sich keiner der beiden Mannschaften entscheidende
Vorteile verschaffen. Dafür gingen die Dortmund-Fans auf den Rängen immer deutlicher in Führung. Zwischen
der 20 und 40 Minute wurde ausschließlich und ohne Pause 'Ole Ole Ole, nur der BVB, unser ganzes Leben, unser ganzer
Stolz' gesungen! Die BVB-Profis stachelte das wohl zusätzlich an. So mussten die Bayern noch vor der Pause einige
brenzlige Situationen überstehen. Trotzdem blieb es beim knappen Rückstand zur Pause.
Kurz vor Ende der Halbzeitpause, sprach mich mein Nebenmann an: 'Eigentlich müssten wir die ganze Pause durchsingen.
Wenn die Spieler aus dem Tunnel zurück aufs Spielfeld kommen, müssen die sofort wissen, dass wir weiter an sie
glauben. Ich stimm jetzt ‚Nur der BVB an’. Bist du dabei?' Klar bin ich dabei. Noch schnell einen Dritten BVB-Fan ins Boot
geholt und dann sangen wir ‚Nur der BVB’ so laut wir konnten. Nach ner knappen Minute wurden wir schon wieder etwas leiser
weil keiner mitsang. Doch dann schalteten sich ein paar Reihen unter uns weitere Fans ein. Sofort gaben wir noch mal alles
und kurze Zeit später griff der Gesang auf die andere Seite des Marathon-Tors über und schließlich sang
der gesamte Block! Diese eine Szene sagt eigentlich alles über den Support-Willen der Dortmunder an diesem Tag aus.
Wenn es drei Fans schaffen, in der Halbzeitpause ohne Megaphon 20.000 zum Singen zu bringen, dann gibt es schlichtweg
keine Steigerung mehr.
Direkt nach der Halbzeitpause musste die Borussia zunächst noch einmal eine heikle Szene überstehen, als Kuba
einen Kopfball Kloses auf der Linie klärte. Danach bekam man das Spiel aber immer besser in den Griff und erspielte
sich einige Torchancen. Von Bayern war in dieser Phase nichts mehr zu sehen. Etwa Mitte der zweiten Halbzeit kam dann
erstmals in mir der Gedanke hoch, wir könnten dieses Spiel verlieren. OK, dachte ich, damit mussten wir rechnen.
Aber wenn wir hier verlieren, dann will ich wenigstens ein Tor von uns sehen. Ich will hier einmal jubeln können,
ich will dass dieser Block mit 20.000 verrückten Borussen einmal so richtig abgehen darf. Doch bevor dies geschah,
musste man in den letzten 15 Minuten noch mal mächtig zittern. Der BVB machte immer weiter auf und so kamen die Bayern
zu einigen guten Chancen.
Dann jedoch der Moment, den ich wohl nie in meinem Leben vergessen werde. Die 92. Minute. Im Strafraum gegenüber
unserer Kurve kann Bayern einen Eckball nicht entscheidend klären. Petric kommt an den Ball und plötzlich zappelt
er im Netz. Was sich danach im Dortmunder Block abspielte, ist mit Worten nicht annähernd wiederzugeben.
Unbeschreiblicher Jubel, kollektives Ausrasten, ungezügelte Ekstase in seiner reinsten Form. Wildfremde Menschen
lagen sich in den Armen und zwar buchstäblich. Ich konnte nicht mehr stehen. Mit erhobenen Armen sank ich nieder und
lag über anderthalb Sitzreihen verteilt in einem Meer von schwarz-gelb, ehe mich ein anderer Borussen-Fan hochzog
und umarmte. In diesem Moment schien sich die ganze Anspannung der letzten Minuten, die katastrophalen Spiele der letzten
Woche und die vielen Enttäuschungen der letzten Jahre in einer Sekunde zu entladen, eine Explosion der Emotionen.
Alleine für diesen einen Moment, hatte sich das Bangen um den Erhalt der Eintrittskarten, die Stunden auf der Autobahn nach
Dortmund und im Zug nach Berlin gelohnt. Solche Erlebnisse sind mit Geld nicht zu bezahlen. Im Unterrang wurde ein Bengalo
gezündet und die Kurve sang und hüpfte, während die fleißigen Helfer des DFB die bereits
bereitgestellten Podest-Teile für die Siegerehrung wieder abtransportieren konnten.
Ausgelassen Stimmung im Dortmunder Block nach dem 1:1 durch Petric.
In der Verlängerung spielte die Borussia dann weiter munter nach vorne, die Bayern schienen angenockt. Und hätte
Kringe den Ball auch nur ein wenig anders getroffen, diese Geschichte hätte vielleicht anders geendet. So lenkte Kahn
die beste Borussen-Chance zur Ecke und wenig später stolperte Toni den Ball zum entscheidenden 1:2 ins Tor. A propos
Luca Toni. Er mag in der Tat ein exzellenter Fußballer sein und vielleicht der Stürmer mit dem besten Torriecher.
Wie er sich aber ansonsten auf dem Platz verhält, darf getrost in der untersten Schublade einsortiert werden.
Bei der kleinsten Berührung fliegen ihm die Beine weg, liegt er senkrecht in der Luft, landet mit schmerzverzerrtem
Gesicht auf dem Boden und krümmt sich, als ob man ihm gerade beide Beine gebrochen hätte. Geht das Spiel dann
weiter, wird man Zeuge einer spontanen Wunderheilung und Toni kann plötzlich wieder munter übers Spielfeld traben.
Ansonsten fällt er durch ständiges Lamentieren und Beschweren negativ auf.
Mag er noch 20 Tore mehr in einer
Saison schießen, so einen Spieler möchte ich nie im BVB-Dress sehen. Mir ist im Übrigen durchaus bewusst,
dass Kuba sich in diesem Spiel auch daneben benommen hat und für seine Andi-Möller-Gedächtnis-Schwalbe völlig
zu Recht Gelb sah. Aber dafür wurde er vom Dortmunder Anhang auch kritisiert. Den Bayern-Fans fehlt im Bezug auf ihren
Luca leider diese gesunde Form der Selbstkritik. Bleibt zu hoffen, dass die Liga demnächst erkennt, dass nicht Toni
und Ribery (der sich auch ne feine Schwalbe leistete, dafür aber kein Gelb sah!) vor den Gegnern geschützt werden
müssen, sondern die Gegenspieler vor Ihnen!
Der Rest des Spiels ist leider schnell erzählt. Nach dem berechtigten Platzverweis von Kuba, schafften es die Dortmunder
nicht mehr, sich Torchancen zu erarbeiten. So feierten die Bayern einen nicht unverdienten aber doch irgendwie glücklichen
Pokalsieg. Gefeiert wurde aber auch die Dortmunder Mannschaft für einen couragierten Auftritt.
Feiern trotz der Niederlage. Dortmund verlässt Berlin mit erhobenem Haupt!
Nachdem Spiel ging es dann zunächst noch einmal mit der U-Bahn in die Innenstadt. Glücklicherweise waren hier
kaum feiernde Bayern-Fans zu sehen. So war die Niederlage leichter zu ertragen. So richtig niedergeschlagen war man ohnehin
nicht. Mannschaft und Fans hatten auf dem Platz und auf den Rängen alles gegeben. Mehr kann man nicht erwarten. Man
durfte nur nicht daran denken, was hier nun abgehen würde, wenn der BVB das Spiel gewonnen hätte. Ich glaube ich
wäre jetzt noch in Berlin. Allein der Gedanke daran, kann einem Tränen in die Augen treiben. Um kurz vor 2:00 Uhr
ging es dann mit dem Sonderzug wieder zurück nach Dortmund. Und selbst auf der Rückfahrt schafften es einige in den
Sambawagen. Morgens um 7:00 Uhr erreichten wir dann ziemlich kaputt wieder Dortmund. Ein lange Reise ging zu Ende, die Lust
gemacht hat auf mehr. Hoffen wir, daß auch die Spieler vom Virus DFB-Pokal an diesem Tag infiziert wurden und nächstes
Jahr der Wettbewerb genauso konzentriert angegangen wird. Ich wäre in Berlin auf jeden Fall wieder dabei.
Ein letzter Satz noch zur Stimmung im Stadion. Im Block selbst unbeschreiblich und wohl nicht zu toppen. Während des
Spiels quasi 120 Minuten Dauersupport. Jeder auf der Tribüne hat an diesem Tag einfach alles gegeben. Leider kam das
im Fernsehen dank der Richtmikrofone nicht immer so rüber. Es ist sicher schwer, die Leistung der Bayern zu bewerten.
Wer im eigenen Block steht, kann das Gegenüber nicht hören. Doch der Stadionsprecher brachte es wohl auf den Punkt
als er in etwa Folgendes von sich gab: 'Ich will den Bayern-Fans ja nicht zu nahe treten, aber Dortmund ist ganz schön
laut.' Und hier auch ein paar Auszüge aus dem Bayern-Forum:
Wie gesagt ich war von deren Auftritt vorm Spiel beeindruckt, da können wir uns echt ne Scheibe abschneiden! Ich mag
die Jungs nicht, bzw. sie sind mir schlicht weg scheiß egal, aber ich hatte teilweise das Gefühl wir spielen in
Dortmund und nicht in Berlin und dafür Respekt!
Zum Spiel ist alles gesagt, mein Respekt geht an die Dortmunder, Berlin war klar in Borussenhand und was die Jungs vor den
Stadionterrassen aufgeführt haben war endgenial!!
Ich habe am Samstag mein 9. Pokalendspiel im Stadion gesehen und was die Dortmunder vor dem Spiel gezeigt haben war einfach
genial, bei denen war eben Pokalfinale!! Die Stadt war schwarz-gelb und aus die Maus! Stimmungstechnisch muss bei uns in
einem Pokalendspiel einfach mehr kommen. Wo hat man den schon 15000 Fans in einer Kurve??!! Aber wie schon mal gesagt,
es stehen bei uns zu 50% Hackfressen rum, die sich durch Fahnen etc. gestört fühlen, es fehlen einem echt die
Worte!
Was von denen kam war heftig! Meiner Meinung nach muss Dortmund eh leer gewesen sein, die waren doch alle in Berlin! Egal
wo ich hingekommen bin, nur Schwarz-Gelb, ganz wenig Rote hab ich gesehen. Stimmung bei uns fand ich echt gut! Die ersten
20 Min. kam von den Dortmundern nicht viel, dann aber haben Sie aufgedreht!
Dieser letzte Satz sagt eigentlich alles. Wenn wir es geschafft haben, selbst in deren Kurve gehört zu werden, haben wir
unseren Job erfüllt. Ich hab Bayern genau 2-mal gehört. 1 Minute lang nach dem 1:0 und die letzten 2 Minuten!
Im Fernsehen dann des Öfteren 'Steht auf wenn ihr Bayern seid'. So was singt man eigentlich nicht, wenn alles steht!
Nach dem Spiel war denn auch keine wirkliche Feierlaune bei den Bayern zu erkennen. Wenn man sich vom Verlierer nach dem
Spiel anhören muss 'Ohne Dormund wär hier gar nix los' lässt das schon tief blicken. Einige schafften es
sogar in der U-Bahn danach einzuschlafen. Ich weiß nicht ob die Bayern einfach schon viel zu satt sind, oder ob sie
ihr Fan-Dasein nur anders ausleben. Ich will auch keinem Vorschreiben, wie er sich als Fan zu verhalten hat. Für mich
steht aber eines fest. Sollte ich je so emotionslos ein Fußball-Spiel und noch dazu ein Endspiel betrachten, dann
werde ich an diesem Tag mein Fan-Dasein beenden. Wenn dies der Preis ist, für die vielen Erfolge, dann spiele ich lieber
auch weiterhin nur alle 10 Jahre um einen Titel.
In diesem Sinne und in der Hoffnung dass dieser Tag nie kommen wird.
Nur der BVB – unser ganzes Leben, unser ganzer Stolz.