2. Bergzeitfahren Spaichingen (4,2 km, 280 hm) 06.06.09
Am Samstag den 06.06.09 startete ich bei der zweiten Austragung des Spaichinger Bergrennens. Die Strecke führt auf
einer Länge von 4,2 km in 9 Kehren und mit einer Steigung von ca. 6% vom Ortsausgang meiner Heimatgemeinde Spaichingen
auf den Dreifaltigkeitsberg. Bereits vor 2 Jahren war ich bei der Premiere gestartet. Damals fuhr ich mit meinem Crossbike
eine Zeit von 14:11 min. Da ich mich diesmal in besserer Form wähnte und außerdem ein bedeutend leichteres
Rennrad mein Eigen nennen durfte, sollte diese Zeit natürlich deutlich unterboten werden.
Bereits am Montag und Dienstag stimmte ich mich mit Intervall-Training am Dreifaltigkeitsberg ein. Am Donnerstag folgte
schließlich der letzte Test. Nach ausgiebigem Einfahren fuhr ich die Strecke diesmal an einem Stück und
erreichte ohne mich völlig zu verausgaben den Gipfel in 13:45 min. Folglich war das erklärte Ziel für das
Rennen, die 13-Minuten Marke zu knacken. Doch zunächst einmal dämpfte der Wetterbericht die Hoffnungen deutlich.
Während ich mich die ganze Woche an beständig schönem Wetter erfreut hatte, war für den Tag des Rennens
Regen und heftige Windböen angesagt. Trotz allem polierte ich mein Rad am Vortag auf Hochglanz und befreite es von
unnötigem Ballast wie Pumpe und Flaschenhalter :-)
Am Samstag regnete es dann wie angekündigt bereits am Morgen. Je näher der Wettkampf rückte, desto
heller wurde es aber. Und so konnte ich mich zu meiner Überraschung sogar bei einigen Sonnenstrahlen warmfahren. Das
Wetter hielt auch bis zum Start. So stand ich um 15:25 Uhr mit Startnummer 22 bei zwar windigem aber trockenem Wetter am
Start. Die Organisatoren hatten den Zeitplan also fast auf die Sekunde genau eingehalten. Entgegen all meiner Absichten,
trat ich gleich zu Beginn mächtig in die Pedale und hatte schnell eine Geschwindigkeit von deutlich über 20 km/h
auf dem Tacho stehen. Mit meiner übertriebenen Anfangseuphorie war ich aber wohl nicht alleine. Wie ich später
im Ziel erfuhr, hatte damit wohl jeder zu kämpfen. Und manch einer, der letztlich deutlich länger gebraucht
hatte, war noch viel schneller angegangen.
Auf dem ersten Kilometer, hoch konzentriert und
noch mit frischen Beinen!
Ich jedoch nahm bereits nach der ersten Kurve wieder ein bisschen Tempo raus und versuchte einen flüssigen und
kraftschonenden Tritt zu finden. Trotzdem fuhr ich deutlich schneller, als bei meiner Probefahrt, wie mir ein Blick auf
die Geschwindigkeitsanzeige meines Tachos bestätigte. Natürlich lag auch mein Puls bereits deutlich höher,
aber so war es ja auch geplant. Die trotz der miesen Wetterprognosen zahlreich erschienenen Zuschauer sorgten ebenso
für zusätzliche Motivation, wie auch der ein oder andere vor mir gestartete Fahrer, den ich überholte. Etwa
zur Hälfte der Strecke, am Karlsbrunnen, blickte ich dann erstmals auf meine bisher gefahrene Zeit. Um wirklich die
13-Minuten-Marke zu knacken, hatte ich mir bis dahin 6 Minuten als Ziel gesetzt. Ich hatte allerdings das Gefühl
deutlich schneller unterwegs zu sein und freute mich bereits eine richtig gute Zeit auf meinem Tacho zu erblicken.
Doch
leider wurde ich enttäuscht. Ich hatte auf die Sekunde genau 6 Minuten gebraucht.Von jetzt an war mir klar, dass ich eine 12er-Zeit nicht geschenkt bekommen würde. Ich müsste wirklich alles
geben, um mein Ziel noch zu erreichen. Während der erste Teil der Auffahrt noch mit zahlreichen Serpentinen gespickt
ist, besteht der zweite Teil quasi nur aus zwei endlos langen Geraden, die durch eine 180°-Kehre unterbrochen werden. Diese
beiden Geraden galt es also noch zu überstehen. Ich versuchte verzweifelt die Geschwindigkeit hochzuhalten und das
Brennen meiner Oberschenkel sowie die immer quälendere Atmung zu ignorieren. So erreichte ich die zweitletzte Kehre.
Hier war bereits in scheinbar weiter Ferne die letzte Kehre zu sehen. Von dort würde es nur noch knapp 100 Meter und
vor allem deutlich flacher dem Ziel entgegen gehen.
Wie auch vor 2 Jahren waren hier alle 100 Meter Schilder aufgestellt, welche die Restdistanz zum Ziel anzeigten. Doch
im Gegensatz zum damaligen Rennen, bemerkte ich dieses Mal kein einziges davon. Ich war viel zu sehr mit mir und meinem
Tritt beschäftigt. Die Hände ganz vorne auf die Bremsgriffe gelegt und den Kopf weit nach unten gebeugt,
versuchte ich das letzte aus mir herauszuholen. Nur gelegentlich schaute ich nach oben, um nicht versehentlich mit einem
Zuschauer oder einem langsamer fahrenden Fahrer zusammenzustoßen. Ich hörte weder das Schnurren der Kette, noch
den pfeifenden Wind. Einzig meine mittlerweile zur Pressatmung verkommenen Versuche Sauerstoff zu erhalten, waren zu
vernehmen. Mein Puls stieg über 180, Werte wie ich sie logischerweise das ganze Jahr über noch nicht gesehen
hatte.
Die letzten Meter waren ein ständiger Kampf gegen den immer stärker werdenden Drang, den Schmerzen in den
Beinen und der Lunge endlich nachzugeben. Aber ich hielt durch. Die letzte Kehre war erreicht. Zum zweiten und letzten Mal
riskierte ich einen kurzen Blick auf die Uhr. Scheiße, dachte ich, das wird verdammt knapp. Ich schaltete noch mal
ein paar Gänge nach oben, beschleunigte auf den letzten, fast flachen Meter auf knapp 30 km/h und versuchte das
letzte aus meinem Körper herauszuholen. Ein paar Meter vor dem Ziel war der Ofen dann aus. Die Beine wollten einfach
keinen Druck mehr aufs Pedal bringen und sie konnten es wohl auch nicht mehr. Ich ließ es ins Ziel ausrollen und
„verschenkte“ so vielleicht noch eine Sekunde. Aber das konnte ich nun auch verschmerzen. Es hatte gereicht. In 12:55 min
hatte ich das Ziel und somit mein Ziel erreicht.
Kaum überquerte ich die Ziellinie, öffnete der Himmel seine Schleusen. Für eine Viertelstunde lang gab
der Himmel mindestens genauso viel, wie ich es zuvor auf der Strecke getan hatte. Es regnete wie aus Kübeln. Auch
Fabian, der mit mir zusammen im Frühjahr auf Mallorca trainiert hatte, war davon betroffen. Er musste fast die gesamte
Strecke im Dauerregen absolvieren. Trotzdem schaffte er mit 12:42 min eine klasse Zeit und landete im Gesamtklassement von
fast 100 Startern auf Platz 10, und damit einen Platz vor mir. Der Sieger in diesem Jahr pulverisierte übrigens den
Streckenrekord und kam nach fantastischen 11:18 min ins Ziel.
Fazit:
Was ich bereits im letzten Bericht geschrieben habe, kann ich nur noch mal bestätigen. Das Spaichinger
Bergrennen ist eine tolle Veranstaltung und etabliert sich hoffentlich die nächsten Jahre im Veranstaltungskalender.
Die Strecke ist durch die vielen Serpentinen abwechslungsreich, der Asphalt hervorragend und die Steigung sehr
gleichmäßig. Trotz des schlechten Wetters säumten auch wieder zahlreiche Zuschauer die Strecke und sorgten
mit kräftigen Anfeuerungen für die nötige Motivation. Der Zeitplan wurde dieses Mal auch fast auf die
Sekunde genau eingehalten. Mit meiner Zeit konnte ich auch zufrieden sein, auch wenn ich mir insgeheim eine Zeit von 12:45
min vorgestellt hatte. Der erste Saisonhöhepunkt ist also gelungen. Jetzt heißt es fleißig weiter
trainieren, denn schon bald wird die zu absolvierende Strecke deutlich länger sein. Ende Juni warten beim Alb-Extrem
210 km auf mich!