Manch einer wird sich vielleicht fragen, warum gibt es hier einen Bericht über 2 Touren von etwas über 100 km
Länge. Für viele eigentlich nichts anderes als ein normaler Trainingsblock. Für mich war es jedoch mehr als das. Es war die
erste 2-Tages-Tour mit Gepäck und als Test für die geplante Sommer-Tour über 5 Tage in den Alpen gedacht.
So hatte ich denn auch alles dabei, was ich auch auf einer Mehrtages-Tour in den Alpen brauchen würde.
Alles begann am Freitag um 12:30 Uhr. Mein Gepäck fand fast vollständig in einem Vaude-Rucksack mit 25 l
Stauvolumen Platz. Kurz zuvor hatte ich mir noch eine größere Satteltasche mit 2 l Stauvolumen (hier gibt’s
die komplette Packliste) gekauft. Dort wurde der Rest verstaut. Somit machte ich mich bei strahlendem Sonnenschein mit
insgesamt ca. 6 kg Zusatzgepäck auf den Weg.
Meine Utensilien für die nächsten 2 Tage, ein Rad ein Rucksack ein Ziel!
Mein Weg führte mich zunächst über Malsch und Gaggenau an die Murg. Bereits auf diesem Abschnitt konnte
ich mich über reichlich Rückenwind freuen. In Gaggenau ging es dann auf den gut ausgeschilderten
Murgtal-Radweg. Leider war der schöne Abschnitt zwischen Au und Langenbrand wegen Bauarbeiten gesperrt, so dass ich
kurzfristig auf die Bundesstraße ausweichen musste. Der Verkehr hielt sich zu dieser Zeit aber noch in Grenzen,
dafür hatte ich plötzlich mit Gegenwind zu kämpfen. In Langenbrand angekommen, gab es 3 Möglichkeiten
um weiter nach Forbach zu fahren. Entweder weiter auf dem Murgtal-Radweg, dabei musste aber auch ein kurzes Schotterstück
überstanden werden. Möglichkeit 2 war auf der Bundesstraße zu bleiben und mich weiter vom Gegenwind bremsen
zu lassen. Also entschied ich mich für die 3. Möglichkeit. Wenn mich schon etwas bremsen sollte, dann der Anstieg
nach Bermersbach. Schließlich prangerte auf meinem Trikot der allseits bekannte Aufdruck „hauptsache bergauf“.
Der Anstieg ist zwar vor allem zu Beginn sehr steil, dafür aber nur ca. 2,5 km lang. Außerdem begegneten mir
nur 2 Autos während der Auffahrt. So hatte ich mich das vorgestellt. In Bermersbach folgte die kurze Abfahrt nach
Forbach. Von dort ging es nach kurzer Umleitung wieder auf den Murgtal-Radweg. Bereits kurz danach befand ich mich auf
dem neu asphaltierten Abschnitt. Ein Traum von einem Radweg. Obwohl der Weg flussaufwärts führt, hatte ich
das Gefühl überhaupt nicht treten zu müssen. Die wunderschöne Landschaft tat ihr Übriges. Obwohl
ich noch vor 3 Stunden im Büro gesessen hatte, fühlte ich mich bereits jetzt wie im Urlaub.
Der wunderschöne Murgtal-Radweg, hier zwischen Forbach und Schönmünzach
Kur vor Schönmünzach machte ich dann die erste kleine Pause. Ich setzte mich in die Sonne, aß eine
Kleinigkeit und genoss die Ruhe. In Schönmünzach begann der Anstieg zum Seibelseckle. Zunächst waren
auf dem 14,5 km langen Abschnitt kaum hohe Steigungsprozente zu bewältigen. So konnte man auch hier die schöne
Schwarzwald-Idylle genießen. Über die kleinen Siedlungen Zwickgabel, Vorderlangenbach und Mittlerer Langenbach
erreichte ich schließlich Hinterlangenbach. Hier füllte ich erstmals meine Wasserflaschen wieder auf und musste
wie so oft feststellen, dass ich viel zu wenig getrunken hatte. Ab hier begann dann der etwas steilere, 4,5 km lange
Schlussanstieg. Ich fand aber einen ganz akzeptablen Tritt. Zwar stieg mein Puls auf über 160, was ich eigentlich
vermeiden wollte. Da ich aber immer noch fähig war, ruhig zu atmen, machte ich mir darüber keine Sorgen. Der
gesamte Anstieg von Schönmünzach gehört sicher zu den Highlights im nördlichen Schwarzwald. Da keine
großen Ortschaften passiert werden und für Autos der weitere Verlauf ab Hinterlangenbach gesperrt ist,
fährt man quasi ohne Verkehr dem Ziel entgegen. Mir begegneten während der einstündigen Auffahrt gerade
einmal 4 Autos. Oben angekommen war ich dann erstmal verwundert, dass ich auf dem gegenüberliegendem Skihang noch
Schneereste erblickte. Danach hieß es Windweste an, Bremsen lösen und die Abfahrt auf der B500 Richtung Oppenau genießen.
Blick von der B500 in die weiten Tiefen des Schwarzwaldes
Bei den Wasserfällen von Allerheiligen machte ich noch mal eine kleine Pause. Da die Abfahrt hier im größten
Teil im Schatten lag und ich kräftigen Gegenwind hatte, war es mir hier trotz langer Windweste richtig kalt geworden.
So freute ich mich bereits auf den nächsten Anstieg, nicht wissend, dass es mir dort richtig warm werden sollte. Aber
zunächst endete in Oppenau die Abfahrt und ich fuhr endlich wieder in der Sonne. Allerdings auch auf einer Bundesstraße.
Nicht dass es hier wirklich viel Verkehr hatte. Aber ich war eben den ganzen bisherigen Tag mit absolut verkehrsarmen
Straßen und Radwegen verwöhnt worden. Daher war ich dann doch froh, dass ich kurze Zeit später in
Löcherberg die Bundesstraße verlassen durfte und nach rechts Richtung Oberharmersbach abbog.
Nur noch ein Anstieg trennte mich nun von meinem heutigen Tagesziel, aber was für einer! Gleich zu Beginn
begrüßte mich ein 12%-Steigungsschild. Ich nahm es nicht wirklich ernst, schließlich sollte es ja nur die
maximale Steigung anzeigen. Ich ahnte ja nicht, dass diese über weite Strecken des Anstieges beibehalten werden sollte.
Mittlerweile zeigte mein HAC5 keinen Puls mehr an, die Batterien waren leer. Wahrscheinlich war es aber auch besser so. Der
Schweiß lief wieder mal in Strömen und von einer ruhigen Atmung konnte auch keine Rede mehr sein. Wenigstens
zeigte mein Tacho inzwischen auch keine Geschwindigkeit mehr an. So wurden mir dann immerhin die sicherlich einstelligen
Werte erspart. Aber ich wollte jetzt nicht klagen. Zu schön war die Tour bislang verlaufen. Außerdem stand auf
meinem Trikot „Quäldich“, also sollte ich das verdammt noch mal auch tun. Es gab hier kaum flachere Abschnitte und so
fuhr ich fast den gesamten Anstieg auf dem großen Ritzel. Aber ich darf das ja, schließlich ist das der Name
meiner Homepage. Der schlechte Straßenbelag machte die Sache nicht einfacher. Dafür war hier wieder kaum Verkehr
vorhanden und so hörte ich nur das leise Schnurren meiner Kette und das angestrengte Arbeiten meiner Lunge. Der Anstieg
ist zwar nur 3,5 km lang, für mich schien er aber kein Ende zu nehmen. Irgendwann war ich dann aber doch oben und
stürzte mich in die schnelle Abfahrt nach Oberharmersbach.
Dort wurde erstmal Wasser und etwas zu Essen gekauft. Danach machte ich mich auf die Suche nach dem Ferienhof Breig,
meiner Unterkunft für die Nacht. Der dritte Passant den ich fragte, konnte mir dann den richtigen Weg erklären.
Es ging noch einmal steil den Berg hinauf und nach kurzer Zeit sah ich auch das Schild: Ferienhof Breig – 800m. Volltreffer
dachte ich, wieder mal die höchstgelegene Unterkunft im Ort gebucht! Nach 116 km, 1800 hm und einer reinen Fahrtzeit
von 4:50 h war meine erste Etappe um 18:15 Uhr erfolgreich überstanden. Ich duschte schnell und wusch dabei meine
Radkamotten gleich mit. Danach wurden sie kräftig ausgewringt. Das gleich wurde dann noch mal eingewickelt in ein
Handtuch zelebriert. So sollten sie bis zum nächsten Tag wieder trocken sein. Abends aß ich im Ort noch lecker
zu Abend und sah mir in einem Bistro das Spiel Hertha – Hoffenheim an. Es war wie immer, Hertha spielte Antifußball
vom Feinsten und gewann das Spiel trotzdem. Aber das sollte mir die gute Laune an diesem bisher gelungenen ersten Tag nun
auch nicht mehr verderben. Um kurz nach 23:00 Uhr lag ich dann im Bett und schlief sofort ein.
Am nächsten Morgen stand ich um 7:30 Uhr auf und saß bereits um 8 Uhr beim Frühstück. Es gab ein
kleines Frühstückbuffet mit Brötchen, Wurst und Käse, Nutella und Marmelade und sogar Cornflakes und
Haferflocken. Für den Preis von nur 20 Euro für Frühstück und Übernachtung war es mehr als ich
erwarten konnte. Um 9:15 Uhr saß ich dann wieder mit auf meinem Rad. Es ging zunächst bergab Richtung Zell und
von dort auf einer kleinen Straße nach Steinach. Von Rückenwind spürte ich zu meiner Enttäuschung
leider nichts mehr. Dafür spürte ich weder Schmerzen in meinem Hinterteil oder meinen Schultern, noch taten mir
die Beine weh. Ich hatte die gestrige Etappe als ganz gut überstanden. In Steinbach bog ich dann rechts ab Richtung
Schweighausen.
Der Ausblick vom Ferienhof Breig, meiner Unterkunft in der Mitte meiner Tour und mitten im Schwarzwald
Kurz nach Welschensteinbach stand der erste Anstieg dieses Tages auf dem Programm. Bereits hier durfte ich mich an zweistelligen
Prozentwerten erfreuen. Mich beschlich erstmals die Vorahnung, dass es heute ein harter Tag werden könnte. So
frisch fühlten sich meine Beine plötzlich nicht mehr an. Aber zunächst folgte die Abfahrt nach Schweighausen.
Von dort folgte direkt der nächste kurze Anstieg. Glücklicherweise war dieser weniger steil und so konnte ich ihn
recht flüssig bewältigen.
In Keppenbach folgte dann der nächste Anstieg. Ein Rad-Weg-Schild kündigte 9% Steigung an. Ein netter Service
für Radler, den ich in dieser Art im Nordschwarzwald noch nirgends gesehen hatte. So schlimm konnte es also nicht
werden. Doch ich sollte mich böse täuschen. Kurze Zeit später erspähte ich am Straßenrand ein
Schild mit der Aufschrift 18%. Vielen Dank! Ich musste aus dem Sattel und merkte zum ersten Mal, dass die zusätzlichen
Kilo auf dem Rücken das bergauf fahren nicht gerade förderten. Ich spürte dass sich in meimem linken
Oberschenkel bereits ein Krampf ankündigte. Das konnte heute also noch heiter werden. Schließlich sollte der mit
Abstand schwerste Anstieg, der Kandel erst noch kommen. Oben angekommen, machte ich erstmal eine Pause und aß etwas.
Dies war inzwischen auch bitter nötig.
Es folgte eine Abfahrt nach Gutach im Breisgau. Auf einem Verkehrsschild konnte ich „Freiburg – 24 km“ lesen. Ich
hätte es mir also einfach machen können und auf direktem Weg und vor allem flach nach Freiburg rollen können.
Ich gestehe, der Gedanke weilte kurz in meinem Hirn, aber mein Plan war schließlich ein anderer. Also machte ich mich
auf, in Richtung Kandel. In Kollnau füllte ich erst noch mal meine Flaschen und kaufte etwas zu essen. Als ich gerade
losfahren wollte, fragte mich ein Radler im Vorbeifahren, wohin ich wollte. Als ich zum Kandel antwortete, schloss er sich
mir an und war froh jemanden gefunden zu haben, der ihm den richtigen Weg zeigen konnte. Es war ein junger Triathlet aus dem
Münsterland, der am Ende eines einwöchigen Trainingslagers noch mal seine Form am Kandel testen wollte. Mir war
zwar klar, dass er sicherlich ein anderes Tempo anschlagen würde, aber ich war erstmal froh einen Mitstreiter gefunden
zu haben. Geteiltes Leid ist halbes Leid und ich wusste dass ich heute noch leiden würde.
So fuhren wir die ersten beiden Kilometer zusammen, ehe er sich dann verabschiedete und schnell aus meinem Blickfeld
verschwand. Der Kandel tat nun richtig weh. Ich war ihn zwar schon dreimal gefahren, zweimal davon sogar mit meinem
Cross-Bike. Aber so schwer hatte ich mich noch nie getan. Natürlich war ich ihn nie zuvor mit soviel Gepäck
gefahren und auch noch nie so früh im Jahr und dementsprechend bescheidener Bergform. Ich fuhr fast alles auf dem
großen Ritzel und oft unter 10 km/h. Trotzdem konnte von entspanntem Fahren keine Rede sein. Nach über einer
Stunde kam ich ziemlich kaputt endlich oben an. Ich traf wieder den Münsterländer Triathleten, der fast 10
Minuten vor mir oben angekommen war. Wir unterhielten uns noch eine Weile, ehe er sich wieder auf sein Rad schwang und auf
den Heimweg machte. Ich stellte mein Rad erstmal in die Ecke und machte Pause. Während ich genüsslich
Laugenhörnchen und Nussecken futterte, schaute ich den Gleitschirmfliegern bei ihren Startvorbereitungen zu.
Der Blick vom Kandel nach Westen ins Glottertal
Nach einer Weile hieß es dann auch für mich, fertig machen zur Abfahrt. Ich hatte noch über 50 km Fahrt
vor mir, aber wenigstens ein Großteil der Höhenmeter bereits hinter mir. Kurz vor St. Peter bog ich rechts ab
und nahm noch den kurzen aber unrhythmischen Anstieg nach St. Märgen mit. Für die eigentlich tolle Landschaft
konnte ich mich inzwischen nicht mehr so recht begeistern, zu müde waren meine Beine inzwischen. Nach St. Märgen folgte die Abfahrt nach Freiburg und von
dort noch mal ein kurzer Anstieg nach Bollschweil. Um 15:45 Uhr kam ich nach ca. 125 km, und 2.200 hm ziemlich fertig bei
meiner Schwester in Bollschweil an. Da mein Neffe an diesem Wochenende seine Kommunion feierte, war auch meine Mutter
anwesend. Und wie es sich gehört, standen bereits 5 Minuten nach meiner Ankunft die Spaghetti auf dem Tisch, Mutti
ist halt die Beste :-)
Fazit:
Es war bis auf ganz wenige Ausnahmen eine Tour auf absolut verkehrsarmen Straßen oder Radwegen.
Landschaftlich wurde man mit allem verwöhnt, was der Schwarzwald so zu bieten hat. Auch hatte ich mit dem Gepäck
keinerlei Probleme und fühlte mich ausreichend versorgt. Allerdings muss ich mir klar eingestehen, dass die Tour zu hart
war. Wenn man die letzten 60 km nur noch fährt um anzukommen, dann hat dies mit Genussradeln herzlich wenig zu tun.
Trotz allem bin ich mir sicher, dass dies nicht der letzte Besuch mit dem Rad bei meiner Schwester war. Wenn man die
Strecke leicht entschärft und mit einer besseren Form später im Jahr startet, dürfte man eventuell mehr
Freude daran haben. Jetzt heißt es noch mal fleißig einige Wochen trainieren, damit der Quäldich-Faktor
auf der 5-Tages-Tour in den Alpen nicht ganz so hoch sein wird.